Haben Sie einmal überlegt, welche Form ein Wassertropfen annimmt, der sich aus einem undichten Wasserhahn löst? Nein, er hat nicht die Form einer Träne. Er bildet zwar eine Taille aus, die sich jedoch in einen zylindrischen Faden verwandelt, der sich so lange verdünnt, bis das Gebilde einer Stricknadel gleicht, die eine Orange berührt. Die Spitze der Stricknadel ist, mathematisch gesehen, eine Singularität – und hochkompliziert.
Ian Stewart beweist mit seinem Buch wieder einmal, daß man Mathematik unterhaltsam erzählen kann. Er führt sie als Wissenschaft von den Mustern ein. Die Natur zeigt viele Muster – und birgt folglich viel Mathematik: in der Spiralform eines Schneckenhauses, bei der Evolution des Auges, in der Blätterzahl einer Blume oder eben in der Form eines fallenden Tropfens. Die Natur ist mit ihren Symmetrien und Rhythmen schön. Folglich ist auch Mathematik schön, zumal, wenn man sie so weit faßt wie Stewart. Von besonderem Reiz sind “gebrochene Symmetrien”, die es aber auch nur wegen der Regelmäßigkeiten gibt, die unterbrochen werden können.
Stewart erzählt von der Erfindung der Null bis zur Chaostheorie, ohne Formeln und Zahlen zu bemühen. Aber es irritiert, wie oft und wie nachdrücklich er die Schönheit und Nützlichkeit der Mathematik hervorhebt. Manches Urteil würde man beim Lesen einfach lieber selbst fällen.
Ian Stewart DIE ZAHLEN DER NATUR Mathematik als Fenster zur Welt Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 1998 192 S., DM 39,80
Barbara Messing / Ian Stewart





