Wissenschaftliche Arbeiten kommen meist nicht ohne Zitate oder Querverweise auf die Untersuchungen anderer Forscher aus. Aber viele Wissenschaftler nehmen es beim Zitieren von Kollegen offenbar nicht sehr genau. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Forschern der University of California in Los Angeles. Mikhail Simkin und Vwani Roychowdhury hatten in einer Zitat-Datenbank entdeckt, dass dort in verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten Literaturhinweise auf dieselben Zitate mit denselben Druckfehlern auftraten. Dies legte die Vermutung nahe, dass viele Forscher durch ihr Textverarbeitungsprogramm Zitate aus fehlerhaften Sekundärquellen mit der so genannten Kopier- und Einfüge-Funktion übernehmen und den Originaltext gar nicht kennen. Als Test untersuchte das Forscherduo einen 1973 veröffentlichten Text, der in 4300 anderen Arbeiten zitiert wurde. Dabei fanden die beiden in 196 Verweisen auf Zitate Fehler – etwa beim Veröffentlichungsjahr oder bei der Seitenangabe. Simkin: „Obwohl dabei statistisch gesehen Milliarden unterschiedlicher Fehler möglich gewesen wären, waren es nur 45 verschiedene. Ein Fehler kam sogar 78-mal vor. Dieses Beispiel untermauerte unsere These, dass oft aus fehlerhaften Sekundärquellen zitiert wird.”
Hans Groth




