Die Covid-19-Pandemie stellt viele Menschen, darunter auch das Gesundheitspersonal vor besondere Herausforderungen: Viele Ärzte und Pfleger haben täglich Kontakt mit infizierten Patienten, müssen mit einer erhöhten Arbeitsbelastung zurechtkommen und gleichzeitig besonders auf Hygiene und ihren eigenen Schutz achten. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Gesundheitspersonal, das an der Versorgung von Covid-19-Patienten beteiligt ist, ein stark erhöhtes Risiko hat, selbst zu erkranken. Der größte Risikofaktor ist dabei die wiederholte Exposition mit dem Virus.
Gesundheitspersonal aus sechs Ländern befragt
Ein Team um Hyunju Kim von der Johns Hopkins University in Baltimore hat nun gezeigt, dass auch Schlafmangel und Arbeitsbelastung mit dem Risiko einer Covid-19-Erkrankung assoziiert sind. Von Juli bis September 2020 befragten die Forscher 2844 Ärzte und Pfleger aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien und den USA zu Arbeitsbedingungen, Schlafgewohnheiten und Gesundheitszustand. Alle Befragten hatten zu dieser Zeit regelmäßig Kontakt zu Covid-19-Patienten. 568 von ihnen berichteten von einer eigenen Covid-19-Erkrankung.
„Die Teilnehmer mit eigener Covid-19-Erkrankung berichteten häufiger von weniger Schlafstunden in der Nacht, etwas mehr Nickerchen am Tag und einem oder mehreren Schlafproblemen. Sie gaben auch häufiger an, dass sie sich mindestens einmal im Monat von der Arbeit ausgebrannt fühlten“, fassen die Forscher zusammen. Um mehr als eine Momentaufnahme zu erfassen, bezogen sich die Fragen zu Schlafdauer und -problemen sowie zu dem Gefühl, von der Arbeit ausgebrannt zu sein, nicht auf den konkreten Alltag während der Pandemie, sondern auf das vorangegangene Jahr. Durchschnittlich gaben die Befragten eine nächtliche Schlafenszeit von sechs bis sieben Stunden an.
Nachtschlaf für die Gesundheit
Rechneten die Forscher demografische Daten, die Expositionslast sowie weitere Einflussfaktoren heraus, ergab sich, dass jede zusätzliche Stunde Nachtschlaf mit einem um zwölf Prozent verringerten Erkrankungsrisiko einherging. Wer dagegen angab, regelmäßig Probleme beim Ein- und Durchschlafen zu haben und häufig Schlaftabletten einzunehmen, hatte im Vergleich zu Personen ohne Schlafprobleme ein um 88 Prozent erhöhtes Risiko.
Der Effekt von Nickerchen am Tag war uneindeutig: In Frankreich und den USA hatte Gesundheitspersonal, das regelmäßig tagsüber schlief, ein leicht erhöhtes Risiko, an Covid-19 zu erkranken. In Spanien hingegen zeigte sich eine umgekehrte Tendenz. „Was Nickerchen am Tag angeht, mag es kulturelle Unterschiede geben“, meinen die Forscher. „In manchen Ländern können sie ein Zeichen für Stress und Schlafmangel sein, während sie in anderen Ländern zur Tradition gehören – wie die Siesta in Spanien.“





