Rund ein Jahrzehnt betrug die durchschnittliche Nutzungszeit von Computer-Hardware zu Anfang der achtziger Jahre. Derzeit liegt sie bei nur noch etwa vier Jahren – denn neue, immer leistungsfähigere Software mit explodierendem Anspruch an Speicherplatz und Arbeitsgeschwindigkeit läuft oft nicht mehr auf den “alten” Rechnern.
Für die Zukunft erwarten die Marktforscher noch kürzere Nutzungszyklen: drei Jahre für Desktop-PC, 18 Monate für Notebooks. Die Folge: kaum angeschafft, werden hochgepriesene Neuheiten angeblich zu altem Eisen.
Dabei sind die ausgemusterten Geräte häufig noch intakt und könnten nachgerüstet werden (siehe “So möbeln Sie Ihren ,AltenO auf” auf Seite 78). Und für die Komponenten, beispielsweise Speicherchips und Prozessoren, gilt ohnedies: Ihre Lebensdauer beträgt 20 Jahre – weit mehr, als die Geräte in Gebrauch sind.
“Warum funktionsfähige Teile verschrotten und damit Werte vernichten?” fragt Rainer Kist vom Fraunhofer-Institut für Physikalische Meßtechnik in Freiburg. Er fordert: “Die Geräte müssen künftig langlebig sein, außerdem kostengünstig zu reparieren und technisch nachrüstbar.”
Das müsse schon bei Entwicklung und Konstruktion bedacht werden. Derzeit seien die meisten Geräte nicht demontage- und recyclingfreundlich genug: Es fehle an Informationen über die Baugruppen in den Geräten, ebenso an Angaben über die enthaltenen Wert- und Schadstoffe.
Das Freiburger Institut will hier Abhilfe schaffen. Die Fraunhofer-Forscher arbeiten gemeinsam mit anderen Forschungseinrichtungen, mit großen europäischen Herstellern wie Philips, Siemens und Sony Deutschland sowie mit Recycling-Unternehmen an der Entwicklung eines umfassenden Recyclingkonzepts für Elektronikgeräte. Es soll den Weg elektronischer Geräte komplett erfassen und allen Beteiligten die notwendigen Informationen vermitteln. Das Ziel ist, eine durchgehende Wertschöpfungskette zu etablieren.
Kist und seine Kollegen denken an eine Identifikationseinheit (Identification Unit, IDU) in jeder Baugruppe. Sie soll nicht nur Angaben über die verwendeten Materialien speichern, sondern auch Ereignisse während der Nutzung festhalten: Nach den Vorstellungen der Fraunhofer-Forscher könnten Miniatursonden negative Einflußgrößen wie Temperaturschocks oder Erschütterungen messen und in das Systemgedächtnis einschreiben. Damit wären die Verwerter in der Lage, die Komponenten eindeutig zu identifizieren und ihre Restlebensdauer realistisch abzuschätzen.
Noch ist die IDU Zukunftsmusik. Aber: “Sie wird in spätestens 20 Jahren zumindest in jedem größeren Gerät vorhanden sein”, prophezeit Rainer Kist. “Allerdings muß dazu eine weitere Voraussetzung erfüllt werden, nämlich Standardisierung.”
Erst genormte Bausteine könnten helfen, Kreisläufe zu schließen – denn nur sie wären direkt austauschbar. Derzeit erarbeitet ein Gremium der Vereinigung europäischer Computerhersteller unter dem Vorsitz von Siemens Richtlinien für Produkte und Produktteile, die später zur Grundlage weltweiter Recycling-Standards werden und die Demontage gebrauchter Geräte zum Normalfall machen könnten.
Demontagehinweise der Hersteller ließen sich beispielsweise über eine Datenbank global bereitstellen. Eine Idee hiervon vermittelt IDEE – ausgeschrieben: “Information zur Dienstleistung Entsorgung von Elektro(nik)geräten”. So heißt der Prototyp einer Datenbank, der im Verbund mit dem Berliner Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration und zahlreichen Partnern aus Produktion, Verwertung und Entsorgung entwickelt wurde.
“Es handelt sich um eine Software, die den Datenaustausch zwischen Herstellern und Verwertern erleichtern soll”, erläutert Diplom-Ingenieurin Waltraud Höppner von der Beratungsfirma BC Berlin-Consult. Voraussetzung ist, daß Klienten wie Altstoffhändler, Entsorger, Hersteller oder Fachgeschäfte mit dem IDEE-Server vernetzt sind. Sie erhalten dadurch Zugriff auf eine Windows-Oberfläche mit einer Suchroutine zu Gerätedaten, Werkstoffen, Gesetzen, Benutzerhinweisen und Firmenprofilen.
Solch eine Informationskultur läßt sich freilich nicht von heute auf morgen etablieren. Der Weg zur Wiederverwertung alter Elektronik ist lang und dornenreich.
Das mußte auch Computer-Experte Holger Kistner erfahren, der 1996 am Rechenzentrum der Universität Karlsruhe das Projekt “Jungbrunnen für Personal Computer” begann.
Er rüstete in der Hochschulwerkstatt altersschwache oder gar ausgemusterte Institutsrechner wieder zu leistungsstarken Geräten hoch. Das Projekt lief trotz erfolgreicher Arbeit 1997 sang- und klanglos aus – symptomatisch für die noch mangelnde Akzeptanz des Recyclinggedankens im Bereich der Elektronik.
Bereits 1991 hatte die Bundesregierung einen Entwurf zur Elektronikschrott-Verordnung vorgelegt. Er beinhaltete die Rücknahme, Verwertung und Entsorgung von Altgeräten sowie – über den Kaufpreis von Neugeräten – die Finanzierung dieser Maßnahmen. Der Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) lehnte diesen Entwurf ab.
Es folgte eine modifizierte Version, die immer noch unverabschiedet auf dem Tisch der Verhandlungspartner liegt. Sie sieht statt einer Gesamtregelung Teillösungen vor und besteht aus einer Kombination von freiwilligen und ordnungsrechtlichen Maßnahmen. So sollen Hersteller und Vertreiber von Informationstechnik-Geräten verpflichtet werden, ihre Produkte kostenlos zurückzunehmen und zu verwerten. Geräte, die vor Inkrafttreten der Verordnung in Verkehr gebracht wurden, sind davon ausgenommen.
Bei der sogenannten Weißen Ware – Wasch- und Spülmaschinen, Trockner, Kühlschränke – ist der Recycling- Gedanke bereits einen Schritt vorangekommen. Die Hersteller erklärten sich 1997 bereit, Altgeräte zurückzunehmen. Die Verhandlungen des Bundesumweltministeriums mit den Herstellern der “Braunen Ware” – Fernsehgeräte, Kassettenrecorder, CD-Player und so weiter – verliefen dagegen ergebnislos. Die Firmen verwiesen auf ihre schlechte wirtschaftliche Lage.
Doch nicht nur die Wirtschaft zeigt die kalte Schulter. Auch die Kommunen stellen sich quer. In bundesweit 444 Sammelzentren, so schlug das Ministerium noch unter der Ägide von Angela Merkel vor, sollen Städte und Gemeinden Telefone, Faxgeräte, Computer und Kopierer grob vorsortieren. Ein Zugeständnis an die Händler – denn die argumentieren, sie könnten unmöglich alle Altgeräte zwischenlagern, bis die Hersteller zum Einsammeln vorbeikämen.
Nun möchten die Kommunen für den Aufwand entschädigt werden, damit sie die Kosten nicht den Bürgern aufbürden müssen – denn die monieren seit langem die ständig steigenden Müllgebühren. Das zähe Ringen um den Entwurf geht also weiter. Ein Ende ist nicht in Sicht.
Faktum ist: Derzeit fallen in Deutschland jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen Elektronikschrott an – Tendenz steigend. Bei Geräten der Informations- und Kommunikationstechnik – beispielsweise Großrechnern, PC, Monitoren, Druckern, Scannern – nimmt der Elektronikschrott-Abfall Jahr für Jahr um fünf bis zehn Prozent zu.
Keine Statistik erfaßt, wie viele ausgediente Geräte dort landen, wo sie bestimmt nicht hingehören – in der Mülltonne oder auf der Deponie. Der Schrott hat es in sich: PCB-haltige Kondensatoren, Bildschirmglas und Leiterplatten mit Inhaltsstoffen wie Nickel, Blei, Kadmium und Arsen. Ganz zu schweigen von den Kunststoffen, bei deren Verbrennung giftige Dioxine entstehen. Ein Teil der elektronischen Komponenten im Sperrmüll – auch hier existieren keine Zahlen – findet am Ende den Weg in eine Schredderanlage. Denn die Bauteile bergen nicht nur Giftiges, sondern auch Attraktives. Vor allem die Rückgewinnung von wertvollen Edelmetallen und Stahl hat es den Betreibern angetan.
Für Eberhard Kübler, Abteilungsleiter für Prozeß- und Recyclingtechnik am Ulmer Forschungszentrum von Daimler-Benz, stellt die Wiederverwendung intakter Bauteile allenfalls eine “sinnvolle Ergänzung zum Gesamtsystem” dar. Nach Küblers Ansicht werden sich in Zukunft zwei Recyclingverfahren durchsetzen: primäre Demontage und nachgeschaltete Aufbereitung – beides in spezialisierten Recycling-Betrieben.
Die Leiterplatten werden nach der manuellen Demontage sortiert: “Hochwertig” – diese Platinen enthalten bis zu 200 Gramm Gold pro Tonne Schrott. Hier kommen die Aufbereitungsbetriebe ins Spiel, etwa die Norddeutsche Affinerie in Hamburg, die das Edelmetall aus Elektronikschrott selektiert. “Weniger hochwertig” – solche Platinen sind zumindest von gewissem Wert, weil sie beispielsweise Kupfer, Aluminium, Messing und Eisen enthalten. Diese Materialien werden in den Schredder-Anlagen professioneller Demonteure fast sortenrein zurückgewonnen. Bisher steht für die Verwerter das Material-Recycling im Vordergrund, weil es wirtschaftlich am interessantesten ist. Eine Studie des international tätigen Beratungsunternehmens Frost & Sullivan weist aus: 1995 wurden europaweit mit dem Wertstoff-Recycling elektronischer Geräte 144 Millionen Dollar umgesetzt. Im Jahr 2000 könnten es bereits rund 250 Millionen Dollar sein. Die Voraussetzung dafür seien allerdings gesetzliche Vorgaben.
Indes: Der Edelmetallgehalt der Elektronikplatinen geht ständig zurück, da die Hersteller durch neue Fertigungstechniken an den teuren Rohstoffen sparen. Das könnte die Weiterverwendung funktionierender Bauteile – also das Produkt-Recycling – künftig doch noch zum attraktiven Geschäft machen.
Ansätze dazu existieren bereits. “Gebrauchte Speicherchips oder sogenannte E-Promps, programmierbare Chips, sind in den USA sehr gefragt”, berichtet Peter Burgdorf vom Siemens Recyclingcenter in Paderborn. Amerikanische Händler schleusen die Bauteile vor allem in Kinderspielzeug und in Geräte mit Memory-Funktion ein – beispielsweise in Spiel-, Getränke- und Zigaretten-Automaten.
Doch auch hier hat es die Recycling-Ware nicht leicht, bezeugt Burgdorf: Die Preise für fabrikneue Chips seien dermaßen gesunken, daß es sich für die Abnehmer kaum noch lohne, auf gebrauchte auszuweichen.
So möbeln Sie Ihren “Alten” auf
“Neu kaufen oder aufrüsten?” Diese Frage stellen sich die meisten Besitzer eines alten PC. Ob der Austausch einzelner Bauteile günstiger ist als ein Neukauf, entscheidet vor allem die Software, die künftig auf dem Rechner installiert sein soll: Benötigen Sie einen Universal-PC, auf dem alle Arten von Programmen laufen – von Büroanwendungen über Spiele bis zu digitaler Bildbearbeitung? Dann brauchen Sie einen PC, in dem alle Komponenten dem aktuellen Stand der Technik entsprechen. Ein Neukauf ist in diesem Fall günstiger, wobei Sie jedoch nicht den PC mit dem allerschnellsten Prozessor brauchen – der verteuert das Gerät überproportional. Legen Sie sich lieber in ein paar Jahren ein neues Modell zu. Kosten: ab 2000 Mark. Sie haben mit Multimedia nichts am Hut und wollen vor allem Textverarbeitung und andere Büroanwendungen benutzen? Dann kann es sich lohnen, den Rechner – eventuell in Etappen – aufzurüsten. Am besten gehen Sie so vor:
1. Speicher erweitern: Klären Sie mit Hilfe des Handbuchs Ihres PC, ob sich dieser auf mindestens 32 Megabyte Speicherplatz aufrüsten läßt und ob die passenden Steckplätze frei sind. Neue speicherhungrige Programme laufen dann deutlich schneller. Kosten: unter 100 Mark. 2. Festplatte austauschen: Wenn der Platz für neue Software knapp wird, können Sie Ihre alte Festplatte gegen eine neue austauschen. Üblich sind heute Größen von einigen Gigabyte. Kosten: ab 250 Mark. 3. Prozessor austauschen: Da die verschiedenen Prozessor-Generationen unterschiedliche Formate und Anschlüsse haben, wird meist auch ein Austausch der Hauptplatine fällig. Kosten für ein fertig bestücktes “Mainboard” mit aktuellen Intel-Prozessoren: ab 600 Mark. Andere Komponenten wie Gehäuse und Netzteil unterliegen nicht den rasanten Innovationszyklen der Computerindustrie und können weiterverwendet werden. Gleiches gilt für Diskettenlaufwerk und Bildschirm. Letzteren sollten Sie aber austauschen (samt Grafikkarte), bevor mangelhafte Bildqualität Ihre Augen ruiniert hat.
Der alte Kämpe, der Ihnen jahrelang treue elektronische Dienste leistete, läßt sich vielleicht aufpeppen – etwa mit einem neuen Mainboard.
Wenn Sie sich den Umbau nicht selbst zutrauen, wenden Sie sich an einen Fachmann, und lassen Sie sich einen Kostenvoranschlag geben. Er kann feststellen, welche der unterschiedlich genormten Bauteile in Ihren PC passen. Noch ein paar Tips: Schielen Sie nicht immer auf die neueste Software. Alte Versionen haben meist mehr Funktionen, als Sie jemals brauchen werden, benötigen aber weniger Speicherplatz und Prozessorleistung. Löschen Sie Programme, die Sie nicht brauchen, von der Festplatte, und lassen Sie ein Festplatten-Aufräumprogramm laufen.
Evdoxia Tsakiridou




