Amateure können noch so angestrengt über einer kniffeligen Schach-Stellung brüten – in ihrem Kopf arbeiten die dabei aktiven Hirnregionen anders als im Kopf professioneller Spieler. Das zeigen Forschungen eines Teams um Ognjen Amidzic – selbst ein exzellenter Schachspieler – und Thomas Elbert von der Universität Konstanz.
Mit Hilfe der Magnet-Enzephalografie haben die Neurowissenschaftler gemessen, was im Gehirn während einer Schachpartie gegen einen spielstarken Computer geschieht. Die Studie konzentrierte sich auf die Gamma-Aktivitäten der Nervenzellen bei 20 bis 40 Hertz. Feuernde Neuronen in diesem Frequenzbereich gelten als Merkmal aktiver Gedächtnisleistungen. Gemessen wurde während der ersten fünf Sekunden nach einem Zug des Computers.
Bei den Amateuren – guten Turnierspielern mit über 1700 Punkten auf der Elo-Skala des internationalen Schachverbandes – dominierte die Gamma-Aktivität vor allem im Hippocampus und mittleren Schläfenlappen der Großhirnrinde. Diese Regionen sind entscheidend für die Bildung dauerhafter Gedächtnisinhalte, also die Informationsspeicherung im Langzeitgedächtnis. Anscheinend verwenden Amateurspieler einen Großteil ihrer Aufmerksamkeit, um die Züge zu analysieren und sich einzuprägen.
Bei den Großmeistern dagegen – mit 2400 bis 2600 Elo-Punkten (Garri Kasparow kommt auf über 2800) – waren besonders der Stirn- und Scheitellappen aktiv, wo Wissen gespeichert ist.
Dies passt zu der schon früher von psychologischen Studien gestützten Hypothese, dass Großmeister ganze Informationsblöcke, „ Chunks”, aus dem Langzeitgedächtnis abrufen – ein durch langes Training erworbenes Expertenwissen, das eine detaillierte Analyse von schon bekannten Schachstellungen überflüssig macht.
Ein guter Spieler hat über 100000 Spielsituationen wie in einer Datenbank abgespeichert, vermutet Amidzic: „Die Genialität der weltbesten Spieler scheint in der Organisation und dem Abruf dieser Chunks zu liegen.”
Hans Groth




