Daneben entsteht im Darm Gas während des Verdauungsprozesses, wenn Bakterien dort die Nahrungsmittel abbauen. Von diesen Darmgasen – etwa 70 Prozent stammen vom Luftschlucken und nur 30 Prozent aus der Verdauung – diffundiert ein großer Teil über die Dünndarmwand ins Blut, mit dem die Gase weiter zur Lunge transportiert werden. Von dort aus atmen wir sie schlicht ab, das heißt, wir pusten sie ins Freie. Das klingt zwar höchst unappetitlich, aber das Dünndarmgas wird tatsächlich mit der Atemluft ausgeschieden.
Haben wir nun etwas gegessen, das bei der Verdauung erheblich mehr Gas produziert, als das Blut abtransportieren kann, muss dieses zwangsläufig auf anderem Weg ausgeschieden werden. Besonders ausgeprägt ist das nach einer Mahlzeit mit reichlich Hülsenfrüchten wie Bohnen und Erbsen oder mit diversen Krautarten. Aber auch bei einer tiefgreifenden Umstellung der Ernährung, etwa auf ballaststoffreiche Vollwertkost, kann vorübergehend eine ganze Menge Gas entstehen. Und das verursacht früher oder später das bekannte Druckgefühl, das man gemeinhin als „Blähungen“ bezeichnet und das uns zwingt, das Gas über den natürlichen Darmausgang herauszublasen. Bei einem gesunden Menschen ist das jeden Tag im Durchschnitt etwas mehr als ein halber Liter. In der Regel in etwa 15 Portionen zu je 40 Millilitern. Allerdings schwankt die Menge je nach Art der Nahrung ganz erheblich.
Und warum stinkt die Aktion manchmal so unangenehm? Fakt ist nämlich, dass das Gas, das sich im Darm ansammelt, grundsätzlich erst mal nach gar nichts riecht, besteht es doch größtenteils aus Wasserstoff, Kohlendioxid und Methan und damit aus vollkommen geruchlosen Zutaten. Das spezielle Aroma fügen erst Bakterien im Dickdarm hinzu, die beim Zersetzen bestimmter Nahrungsbestandteile, die im Dünndarm nicht verdaut werden konnten, übel riechende Produkte erzeugen: unter anderem Indol, Skatol und Mercaptan und ganz besonders Schwefelwasserstoff, der auch faulen Eiern ihr ganz spezielles Aroma verleiht. Und das verräterische Brummen davor? Das kann entstehen, wenn das unter Druck stehende Gas die zarten Hautläppchen, die den Darmausgang umgeben, in Schwingungen versetzt – vergleichbar mit einem Luftballon, aus dem man ruckartig die Luft herauslässt.
Phänomenal
JÜRGEN BRATER studierte Medizin und Zahnmedizin und war neben seiner Praxistätigkeit viele Jahre in der Ausbildung medizinischer Hilfsberufe tätig. Er hat zahlreiche populär-medizinische Bücher geschrieben: „Das Lexikon der rätselhaften Körpervorgänge“, „Blut tut gut“, „Es lebe die Leber“ und „Das Gesundheitsnavi“.





