Sonnensystem
„Das ist eine großartige Nacht für die NASA. Wir sind zurück”, freute sich Sean O’Keefe, der Administrator der amerikanischen Weltraumbehörde. „Wir sind auf dem Mars.” Nach vielen Rückschlägen ist der Rover Spirit am 4. Januar wohlbehalten im flachen Gelände des großen Kraters Gusev gelandet – nach den beiden Viking-Sonden 1976 und Pathfinder 1997 erst der vierte erfolgreiche Besuch auf unserer Nachbarwelt.
Weniger glücklich war dagegen wenige Tage zuvor die Europäische Raumfahrtagentur ESA. Dabei begann alles so gut: Am 25. Dezember 2003 schwenkte die am 2. Juni 2003 vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartete Raumsonde Mars Express in einen Orbit um den Roten Planeten und hat mittlerweile mit den Forschungen begonnen – ein großer Erfolg für Europas erste Raumsonde zu einem anderen Planeten. Inzwischen ist sie auf einer polaren Bahn angelangt, umrundet Mars alle 7,6 Stunden einmal in 300 Kilometer Höhe und wird ihn mit sechs Instrumenten sehr genau ins Visier nehmen – die fotografische Kartierung soll noch zehn Meter kleine Details zeigen. Doch leider misslang die sanfte Landung der zuvor abgesetzten Beagle 2. Die nach Charles Darwins Forschungsschiff benannte Kleinsonde sollte den Mars-Boden nach Wasser und Lebensspuren untersuchen. Doch entweder überstand sie den Aufprall nicht – mit Hilfe eines Fallschirms und Rundum-Airbags wurde die Kollisionsgeschwindigkeit auf immer noch heftige 60 Kilometer pro Stunde abgebremst –, oder die Sonnensegel öffneten sich nicht oder der Funkkontakt mit der Erde schlug aus anderen Gründen fehl. Jedenfalls wurde dieser 42 Millionen Dollar teure Teil der Mission buchstäblich in den Mars-Sand gesetzt.
Die 533 Kilogramm schwere, am 10. Juni 2003 von Cape Canaveral Air Force Station in Florida gestartete Spirit landete ähnlich brachial, aber zusätzlich abgebremst durch Gegenschubdüsen. Alsbald funkte Spirits Stereokamera eine aus 225 Fotos zusammengesetzte 360-Grad-Panorama-Aufnahme – das höchst aufgelöste Marsfoto bislang. Am 15. Januar setzte sich der fernsteuerbare Rover in Bewegung und begann mit seinen Bordgeräten, Gestein und Staub auf dem Boden zu analysieren. Im Lauf von drei Monaten soll das Marsmobil rund 250 Meter zurücklegen – wenn sich seine Software-Probleme beheben lassen.
Am 25. Januar landete Spirits „Zwillingsbruder” Opportunity – gestartet am 7. Juli 2003 – auf der gegenüberliegenden Mars-Seite im Meridiani Planum und funkte erste Fotos. Die amerikanische Doppelmission kostete insgesamt rund 820 Millionen Dollar.
Hans Groth




