Die Gesellschaft geht den Bach runter: Das Geld verliert ständig an Wert, mehr Ehen denn je werden geschieden und die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder wächst. Aber gilt das auch für einen selbst? Bei der Heirat denkt wohl niemand an die Scheidungsquote, und jeder geht davon aus, dass der eigene Nachwuchs gut geraten wird.
Wie diese Schwarzmalerei im Ganzen zur rosaroten Tönung der eigenen Lebensbrille passt, untersucht die israelische Psychologin und Neurowissenschaftlerin Tali Sharot in ihrem Buch – und kommt zu dem Schluss: Die meisten Menschen fallen auf den Verzerrungseffekt des „unrealistischen Optimismus” herein. Sie halten sich beispielsweise für überdurchschnittlich gute Autofahrer, was ein Ding der statistischen Unmöglichkeit ist. So haben wir zwar die Qual der Wahl, treffen aber – im Nachhinein betrachtet – immer die beste Entscheidung. Und das aus gutem Grund: Wenn das Glas – gefühlt – eher halb voll als halb leer ist, führt das nicht nur zu einem angenehmeren Leben, sondern ist auch aus evolutionärer Sichtweise sinnvoll.
Tali Sharot beschreibt die aktuellen Forschungsergebnisse der Psychologie auf unterhaltsame und doch wissenschaftlich präzise Weise, ohne den Mund zu voll zu nehmen. Einziger Kritikpunkt ist die etwas lieblose Aufmachung des Buchs. Franziska Konitzer
Tali Sharot DAS OPTIMISTISCHE GEHIRN Springer Spektrum, Berlin Heidelberg 2014 304 S., € 16,99 ISBN 978–3–642–41668–2 E-Book für € 12,99 ISBN 978–3–642–41669–9





