Schon zu Beginn des Grundschulalters glauben viele Kinder, Jungen seien besser in Naturwissenschaften als Mädchen. Diese Annahme beeinflusst das Interesse, die Anstrengungen und die Erfolge der Kinder in Fächern wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Auch in der späteren Berufswahl spiegeln sich die Geschlechterstereotype wieder: In manchen naturwissenschaftlich geprägten Bereichen sind mehr als dreimal so viele Männer wie Frauen beschäftigt.
Superhelden aus der Wissenschaft
Ein Team um Reut Shachnai von der Yale University in New Haven hat nun untersucht, wie sich an diesen Stereotypen etwas ändern lassen könnte. Auf die Idee kam Shachnai während ihres Psychologie-Studiums in einem Kurs über die Psychologie der Vorstellungskraft. „Wir lasen eine Abhandlung darüber, wie Kinder, die vorgaben, ein Superheld zu sein, bei Selbstkontrollaufgaben besser abschnitten – der so genannte ‘Batman-Effekt’“, erklärt ihre damalige Dozentin und Co-Autorin Tamar Kushnir. „Reut fragte sich, ob dies auch funktionieren würde, um Mädchen zu ermutigen, in der Wissenschaft zu bleiben.“
Als Test für diese Hypothese nutzten die Forscherinnen das Wissenschaftsspiel „Sinken oder Schwimmen“: Dabei sehen die Kinder auf einem Bildschirm verschiedene Objekte über einer Wasserfläche schweben und sollen vorhersagen, ob diese Objekte – beispielsweise ein Anker, ein Basketball oder ein Luftballon – sinken oder schwimmen. Nachdem sie ihre Wahl getroffen haben, sehen sie, wie der Gegenstand ins Wasser fällt und dort entweder untergeht oder an der Oberfläche bleibt. Wie ausdauernd würden die Jungen und Mädchen dieses Spiel spielen? Und welchen Einfluss hätten dabei mögliche Vorbilder?
Geschichten von Vorbildern
Um das herauszufinden, rekrutierten die Forscherinnen 240 amerikanische Kinder im Alter von vier bis sieben Jahren und teilten sie in drei Gruppen ein. Den Kindern der Kontrollgruppe sagten sie vor dem Spiel, sie seien nun für einen Tag Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und dürfen nun ein entsprechendes Spiel spielen. Die Kinder der Geschichten-Gruppe erhielten die gleiche Information, hörten aber vor dem Spiel zusätzlich etwas über das Leben und die Leistungen eines wissenschaftlichen Vorbilds – für die Jungen Isaac Newton, für die Mädchen Marie Curie. Ein anschließendes kurzes Quiz stellte sicher, dass sie bei der Geschichte aufgepasst hatten.
Auch die Kinder aus der Rollenspiel-Gruppe hörten die entsprechende Geschichte, sollten danach aber spielen, sie seien selbst die entsprechende Persönlichkeit. Während des „Sinken oder Schwimmen“-Spiels wurden sie entsprechend angesprochen: „Wie lautet Ihre Vorhersage, Dr. Marie?“ Nach jeder Runde des Spiels wurden die Kinder gefragt, ob sie weiterspielen oder etwas anderes machen wollten. Am Ende sollten sie außerdem bewerten, wie gut sie sich in dem Spiel und als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler fühlten.





