Gebt Gott eine Chance! Nachdem sich bdw in Heft 11/2009 ausführlich mit dem Urknall beschäftigt und die Entstehung der Welt „einfach” erklärt hat, folgt in Heft 1/2010 die Steigerung, dass Gott eigentlich gar nicht existieren könne, sondern nur in den Köpfen einiger Gläubigen herumspuke.
Um auf die netten Chancen-Abschätzungen des Urknall- Beitrags zurückzukommen: Mein nächster Doppelgänger ist demnach 10 hoch 10 hoch 29 Meter von mir entfernt, das nächste Doppelgänger-Universum 10 hoch 10 hoch 115 Meter. Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, wie hoch die Chancen aus wissenschaftlicher Sicht sind, dass Gott mit seinem Wort: „Es werde …” den Urknall ausgelöst hat.
Ich möchte aus einem Interview mit dem Nobelpreisträger Gerhard Ertl (Chemie, 2007) zitieren. Auf die Frage „Können Sie als aufgeklärter Naturwissenschaftler eigentlich an Gott glauben?” war seine Antwort: „Ja, aber sicher.” Und später: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Gott nicht existiert, ist doch nicht geringer als die Wahrscheinlichkeit, dass der gesamte Kosmos nach unseren wissenschaftlichen Erklärungen entstehen konnte.”
Uwe Gengenbach, Pforzheim
Mit Freude habe ich zur Kenntnis genommen, dass Sie sich aus Sicht der Wissenschaft mit dem Thema „Warum Menschen glauben” beschäftigen. Jedoch habe ich mich bei der Lektüre über einige Dinge geärgert: Menschen, die zum Glauben an höhere Mächte neigen, seien besonders ängstlich, autoritätsgläubig und von konservativen Werten geprägt, wie etwa dem Verbot von Abtreibung und Homosexualität sowie der Befürwortung der Todesstrafe.
Alle drei Beispiele stimmen nicht mit der Haltung der evangelisch-lutherischen Kirche überein! Freikirchliche Gruppierungen und der Katholizismus mögen in Teilen dieser Überzeugung sein, aber der Autor trennt nicht zwischen den Kirchen. Es ist nur die Rede von „religiös” oder „nicht-religiös” .
Jannike Pasche, Studentin der Theologie, Hamburg
Die mögliche Verletzung christlicher Gefühle ist nicht das Problem dieses Artikels. Seine Schwäche beruht auf der naiven Übernahme eines „Gehirn steuert Bewusstsein”-Deter- minismus, der immer wieder – leider unbemerkt – in Refe- rate über die Ergebnisse der Hirnforschung einfließt.
Die beschriebenen physiologischen Phänomene, etwa der Konzentrationsanstieg bestimmter Neurotransmitter im Kontext mit religiösen Erlebnissen, sind zunächst nur statistische Korrelate zur Bewusstseinsebene, die auch im Rahmen eines „Bewusstsein steuert Gehirn”-Determinismus oder eines Interaktionismus beziehungsweise als Parallelismus beider Ebenen erklärbar wären.
Dr. Hartmut Neuf, Diplom- Psychologe, per E-Mail
Erst in der heutigen Gesellschaft ist es einer größeren Anzahl von Menschen überhaupt möglich geworden, dem Glauben abzuschwören. Neben dem frei zugänglichen wissenschaftlichen Wissen gehört insbesondere die in unserer Entwicklung noch nicht lange bekannte Meinungsfreiheit dazu. Denn früher, in stark religiös geprägten Gesellschaften, wurden Andersgläubige, dazu gehörten selbstredend auch Atheisten, entweder ausgegrenzt oder ausgelöscht. Ein einziges Problem stellt sich für den Atheisten, heute genauso wie für seinen Urahn: Er muss intellektuell stark genug sein, seinen nahenden Tod und das damit einhergehende absolute Ende seiner Existenz ohne Auswege anzuerkennen.
Udo Baubkus, Olpe
bdw ist, wenn man so will, eine Aufklärungs-Publikation. Aufgeklärt, wie wir Leser sind, brauchen wir keine religiöse Orientierung, um uns die Welt zu erklären. Aufgeklärt, wie wir sind, werden wir für unser „Seele” genanntes Ich nach unserem Tode auch keine irgendwie geartete Teilhabe an der „Ewigkeit” erhoffen. Aber die Frage ist, wie wir ohne jede religiöse Orientierung Nächstenliebe und Barmherzigkeit aufbringen, wenn wir in eine Situation geraten, in der wir nur die Wahl haben zwischen Davonlaufen und einem großen Opfer an eigener Lebensperspektive.
Dafür gibt es Beispiele, die uns grenzenlose Bewunderung abnötigen. Hält also die Evolution ein Alternativrezept zur „ Nutzung des Himmels” in uns parat, das stark genug ist und das sich uns dann aufdrängen wird, wenn es die Situation verlangt? Ist darauf vielleicht noch mehr Verlass als auf den verzauberten Himmel unserer gläubigen Kindheit? Darauf müssen wir um unserer Menschlichkeit willen hoffen.
Dieter Eichrodt, Irland, per E-Mail
SCHWEINE AUF DER SPENDERLISTE
Nachgehakt, Heft 12/2009
Leider war unser Projekt „Bioartifizielles Pankreas” zur Behandlung von Typ-1-Diabetikern bis heute nicht so erfolgreich, wie wir das erwartet hatten. Allerdings ist das Projekt nicht gescheitert, wie der Autor in seinem oberflächlich recherchierten Artikel behauptet. Es ist sicher eines der anspruchsvollsten Projekte, die an unserem Institut bisher gelaufen sind. Dabei kam es natürlich auch zu Rückschlägen. Die Frage der Immunisolation war aber nie ein Problem, das ist für die von uns verwendeten Kapillarmembranen Stand der Technik und war bereits im ersten Projekt erreicht. Die Kapillaren sind auch nicht aus Polyurethan, sondern aus einem von uns entwickelten und patentierten Polysulfon, mit dem ein tatsächliches Problem erfolgreich gelöst wurde, nämlich die Proteinadsorption.
Die von Prof. Mertsching (heute Prof. Walles) angesprochenen Probleme der Immunisolation haben dagegen einzeln mikroverkapselte Inseln der Bauchspeicheldrüse, ein Lösungsansatz, den wir deshalb im ersten Projekt bereits verlassen haben. Frau Prof. Mertsching war übrigens nie an unseren Projekten beteiligt und kennt sie nicht im Detail, daher hat sie dazu auch nie Stellung genommen, sondern sich im Rahmen einer Diskussion nur allgemein zum Thema der zellbasierten Therapien für Diabetiker geäußert.
Der wirkliche Knackpunkt war dagegen die Blutverträglichkeit unseres als Blutgefäßprothese geplanten Pankreas. Hierfür haben wir eine Lösung entwickelt, konnten deren Funktion aber nicht mehr in einem Tierversuch beweisen. Das Ministerium hat sich nie zu einem weiteren Projekt ge-äußert. Wir wollten selbst, nach drei BMBF-Projekten, mit der Industrie ins Gespräch kommen. Die Industrie wollte aber erst auf der Basis eines erfolgreichen Tierversuchs investieren. So überlegen wir heute, ob wir nicht doch mit aktuellen Ideen zur Weiterentwicklung nochmals ein öffentlich finanziertes Projekt beantragen werden.
Dr. Michael Doser, Institut für Textil- und Verfahrenstechnik, Denkendorf; Prof. Heike Walles, Universität Würzburg
ENTDECKE DEIN TALENT
bdw-plus, Beilage in Heft 12/2009
Sie haben in einer Karte und Liste die Science Center in Deutschland aufgelistet (Seite 11). Zur Ergänzung möchte ich darauf hinweisen, dass es in Lüdenscheid seit 1996 eine „ Phänomenta” gibt.
Wilfried Likuski, Kiel




