WIRD EIN WISSENSCHAFTLER bei einer Party nach seinem Beruf gefragt, erntet er meist anerkennendes Kopfnicken. Doch kaum jemand interessiert sich für Details seiner Arbeit. Um Laien die Furcht vor Naturwissenschaften zu nehmen, schreibt der amerikanische Physiker Len Fisher regelmäßig Zeitungskolumnen, tritt mit kuriosen Experimenten im Fernsehen auf und hat nun ein Buch über die Physik der alltäglichen Dinge vorgelegt. Darin geht es zum Beispiel um die Hebelgesetze bei der Heimwerkerei und um einen mathematischen Trick, wie sich die Preise auf dem Kassenzettel rasch addieren lassen. Am perfekt gekochten Frühstücksei führt Fisher in die Thermodynamik ein und erklärt am Bumerang den Drehimpuls. Fisher ist Träger des schrägen Ig-Nobelpreises, den er für Untersuchungen der Eintunkzeit von Keksen erhielt. An der simplen Frage, warum sich ein Keks auflöst, wenn man ihn in den Tee tunkt, zeigte er elementare Eigenschaften von Molekülen und das Prinzip der kapillaren Hebung. Die Idee, Alltagsphänomene wissenschaftlich zu erklären, hat in den letzten Jahren viele Buchautoren beschäftigt. Doch Fisher erklärt an seinen Beispielen auch, wie Wissenschaft an sich funktioniert: Probleme erst vereinfachen, damit sie lösbar werden, Modellvorhersagen im Experiment überprüfen. Abstecher in die Wissenschaftsgeschichte und teils skurrile Geschichten über Forscher sowie der umwerfende Humor und die Selbstironie Fishers machen das Buch außerordentlich lesenswert.
Dr. Eva Tenzer




