Der Ratgebermarkt boomt. Das Internet spuckt auf Anfrage rund 13000 Titel aus, viele davon widmen sich der Verbesserung oder Rettung von Partnerschaften. Die Bücher versprechen viel, sind aber praktisch wirkungslos. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls die Studie des Psychologen Guy Bodenmann am Institut für Familienforschung und -beratung der schweizerischen Universität Fribourg.
Bodenmann hatte an der Untersuchung ein ganz persönliches Interesse – er ist Autor des Ratgebers „Stress und Partnerschaft. Gemeinsam den Alltag meistern”. Was lag da näher, als die Wirkung des eigenen Werks wissenschaftlich zu überprüfen?
Bodenmanns Ratgeber basiert auf Erkenntnissen der Stressforschung und auf Methoden der kognitivverhalten-therapeutischen Paartherapie. Er erklärt die Auswirkungen von Stress auf die Partnerschaft, gibt Ratschläge für den Umgang damit und zeigt, wie faire Kommunikation in Konflikten funktionieren kann. Der Anspruch solcher therapeutischen Paar-Ratgeber ist hoch. Durch die allgemein verständliche Vermittlung wissenschaftlichen Wissens – so die hoffnungsfrohe Überlegung der Autoren – sollte es doch möglich sein, aus keifenden Krisenpaaren friedliche Freunde zu machen und aus einer halbwegs zufriedenen Zweisamkeit eine glückliche. Man müsse den Lesern nur die nötigen Erste-Hilfe-Praktiken zur Bewältigung des täglichen Kleinkriegs an die Hand geben. 100 Freiwillige meldeten sich für Bodenmanns Experiment. Sie waren im Schnitt Mitte dreißig und lebten seit zehn Jahren in einer festen Partnerschaft. So richtig unglücklich war keines der Paare, aber – so nun die blauäugige Erwartung der Probanden – selbst ihre als durchschnittlich bewertete Beziehung müsste sich doch mit Hilfe der Fachliteratur verbessern lassen.
25 Paare sollten als Kontrollgruppe ohne die Zweikampfrezepte weiter zanken. Die anderen übten sich sechs Wochen lang in Disziplinen wie Problembewältigung und Kommunikation. Die Sache ließ sich gut an: Über 90 Prozent bewerteten das Buch als hilfreich und nützlich. Die Übungen seien leicht umzusetzen und zu trainieren.
Die anschließende Befragung über Änderungen in der Qualität der Zweisamkeit waren niederschmetternd: Es gab keine langfristigen Verbesserungen. Kurzfristig verringerten sich die Selbstvorwürfe und die Humorlosigkeit im Umgang miteinander. Auch beim Übermaß von Naschen und Fernsehen konnten die trainierten Paare kurzzeitig punkten. Möglicherweise, weil sie durch die Übungen sowohl vom Fernsehen als auch vom Kühlschrank fern gehalten wurden.
Und: Je länger die Lektüre des Buchs zurück lag, um so mehr verpufften auch die minimalen Effekte. Nach einem Jahr waren nahezu keine Verbesserungen in der Qualität der Partnerschaft mehr festzustellen.
Die Paare fielen in die eingeschliffenen Verhaltensmuster zurück. Die ernüchternden Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass papierne Partnerschaftsratgeber doppelt unnütz sind: Sie helfen nicht, und sie halten ratsuchende Duos davon ab, eine professionelle Paarberatung aufzusuchen.
Eva Tenzer




