Bei den Mitarbeitern des Airbus-Konsortiums war die Freude groß, als bekannt wurde, daß das größte Passagierflugzeug der Welt, der A3XX, gebaut wird. Inzwischen sind schon die ersten Bestellungen für den Megaliner eingegangen, die Werbekampagne läuft auf vollen Touren, Erzrivale Boeing scheint bei den Großflugzeugen erst einmal abgehängt. Doch kaum ist der Jubel über den neuen Superjet verhallt, da werden auch schon erste warnende
Stimmen laut. Bernd Bockstahler von der Pilotenvereinigung Cockpit hat vor allem Bedenken wegen der großen Zahl von Fluggästen im A3XX: „Schon in kleineren Maschinen müssen wir immer häufiger mit randalierenden Passagieren fertig werden. Im A3XX könnten sich solche Vorfälle häufen. Das Thema ‚Security im neuen Airbus‘ wird bei den Piloten zur Zeit heftig diskutiert.” Bockstahlers Sorge ist berechtigt. Bei einem 17-stündigen Non-Stop-Flug zum Beispiel ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß gelangweilte Reisende durch ausufernde Zechgelage dem Kabinenpersonal das Leben schwermachen. Handelt es sich dabei noch dazu um einen Nichtraucher-Flug, ist zusätzlicher Ärger mit uneinsichtigen Qualmern programmiert. Bockstahler fordert deshalb psychologische Schulungen der Flugbegleiter und Piloten sowie die Sicherstellung einer medizinischen Grundversorgung an Bord.
An den „worst case” mag Bockstahler gar nicht erst denken: „ Wenn die Situation eskaliert und der Kapitän zu einer außerplanmäßigen Landung gezwungen wird, gehen die Probleme erst richtig los. Wo sollen wir dann hin? Denn der riesige Airbus kann ja nicht auf jedem Flughafen landen.”
Beeindruckend sind allein schon die puren Zahlen des Fliegers: Länge 80, Höhe 24, Spannweite fast 80 Meter – ein 267-Tonnen-Koloß aus Aluminium, Titan, hochfestem Stahl und glasfaserverstärktem Kohlenstoff. Die Reichweite des A3XX beträgt 16200 Kilometer. Das entspricht ungefähr der Entfernung von Frankfurt nach Perth an der Westküste Australiens. Bis zu 1000 Passagiere finden je nach Bestuhlung auf zwei Decks Platz. Für Menschen mit Platzangst könnte der Aufenthalt im neuen Super-Jet deshalb zum Höllentrip werden. Manfred Schmitt von der Universität Trier meint, daß bis zu sechs Prozent aller Menschen eine entsprechende Disposition haben: „Wenn sich ein Fluggast eingepfercht fühlt, kann es zu unberechenbaren Handlungen und im äußersten Fall zu einer Massenhysterie führen. Allerdings ist das eher unwahrscheinlich”, meint der Sozialpsychologe. Das Unternehmen Airbus sieht die Diskussion indes gelassen. Ein Sprecher erklärte, man glaube nicht, daß es zu größeren Problemen kommen werde. Schließlich seien im Flugzeug Trennwände eingebaut, so daß dem einzelnen Passagier gar
nicht auffalle, wie viele Mitreisende außer ihm noch im Flieger sitzen. Eines übersieht man dabei: Schon beim Einchecken wird der Reisende die Menschentraube erblicken, mit der sein Urlaubsflieger vollgestopft wird.
Hans Groth




