Der Weltraum wird von der extragalaktischen Radio-Hintergrundstrahlung bei Frequenzen von 8 bis 22 Megahertz durchflutet – nicht zu verwechseln mit der Kosmischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung vom heißen Feuerballstadium des Urknalls. Die Radiostrahlung ist sehr schwach, doch stärker, als nach den theoretischen Modellen zu erwarten. Das hatten Messungen des Experiments ARCADE-2 (Absolute Radiometer for Cosmology, Astrophysics, and Diffuse Emission) der NASA mit einem Höhenballon im Juli 2009 ergeben. Nun hat ein schottisch-amerikanisches Astronomenteam um Andrew Lawrence von der University of Edinburgh eine Erklärung für die Strahlung vorgeschlagen. „Wir haben viele verschiedene Möglichkeiten untersucht – fast lichtschnelle Teilchen, riesige diffuse Radioquellen, ferne Sternexplosionen – und dabei festgestellt, dass sie alle nicht als Erklärung taugen”, sagt Lawrence. „Dann erkannten wir, dass der Effekt durch die Summe der Strahlung aller Galaxien im beobachtbaren Universum entstehen könnte. Das ist sehr überraschend, denn wir hatten erwartetet, dass dieser Effekt sich viel schwächer auswirkt als die Emission seltener, aber leuchtkräftiger Quellen.”
Doch die Forscher stießen auf ein weiteres Problem: In den uns relativ nahen Regionen des Alls korreliert der Großteil der Radioemission mit dem weiträumigen Infrarot-Hintergrund, der von den Sternentstehungs-Regionen im All stammt. Häufige Supernovae dort erzeugen Radiostrahlung. Aber der Radio-Hintergrund ist laut ARCADE-2 drei- bis zehnmal so intensiv wie die Infrarot-Hintergrundstrahlung. Lawrence erklärt diese Diskrepanz damit, dass die fernen Galaxien mehr Radiowellen emittierten. „ Vielleicht lief die Sternbildung früher anders ab als heute”, meint der Forscher. „Aber wir vermuten, dass die Radiostrahlung hauptsächlich von Jets herrührt, die in der Umgebung rasch rotierender Schwarzer Löcher entstanden sind.” Solche Jets könnten von den zentralen Schwerkraftfallen stammen, die es in fast allen Galaxien gibt, aber nicht so oft beobachtet werden, weil sie kurzlebig sind.




