Junge Bienen müssen wie Flugschüler Trainingsflüge absolvieren. Das zeigten jetzt Geschwindigkeitsmessungen mit Radar. Bislang war es unmöglich gewesen, die Übungsflüge der Insekten zu verfolgen: Bienen sind zu klein, um Sender zu tragen, und weil sie zu weit und zu schnell fliegen, können sie mit bloßem Auge nicht beobachtet werden. Beth Capaldi von der University of Ilinois und ihre Kollegen haben ein spezielles Radarsystem benutzt, um den Bienen dennoch auf die Spur zu kommen. Sie markierten die Insekten mit ultraleichten Reflektoren, die sie auf dem Radarschirm sichtbar machten. Ergebnis: Die jungen Bienen müssen anscheinend erst ihre Flugangst überwinden, bevor sie auf Nektarsuche gehen können. Zunächst bewegen sie sich nur sehr langsam. Mit zunehmender Erfahrung steigert sich das Flugtempo jedoch, so daß sie immer größere Strecken zurücklegen. Die Trainingsphase läßt sich aus der Umstellung ihrer Lebensweise erklären: Bevor eine Arbeiterbiene das Tageslicht erblickt, verbringt sie drei Wochen in der Dunkelheit ihres Stocks mit Brutpflege.
Rüdiger Vaas




