Mittwochabend, kurz nach acht: Das Treffen mit Freunden hat länger gedauert als erwartet, der Actionfilm auf RTL fängt gleich an. Trotzdem erst noch kurz etwas essen und unter die Dusche? Mit dem primeTimer von Schneider Electronics kein Problem! Denn der digitale Videorekorder erlaubt es, eine Sendung zeitlich versetzt anzuschauen – während er sie gleichzeitig weiter aufzeichnet. Der primeTimer ist seit rund einem Dreivierteljahr auf dem Markt – und in Deutschland einer der ersten Festplatten-Rekorder für den analogen Fernsehempfang via Hausantenne oder Kabel. Zuvor gab es lediglich digitale Settop-Boxen zur Aufzeichnung von Digital-TV-Programmen etwa aus Satelliten-Receivern. Anders als ein herkömmlicher Videorekorder speichert das äußerlich unscheinbare Gerät die aufgenommenen Filme nicht auf Band, sondern auf einer fest eingebauten Magnetplatte. Lesen und Schreiben der Daten sind gleichzeitig möglich. Daher kann man sich dem Actionfilm bequem erst etwas später widmen, ohne den Anfang zu verpassen. Während man den Film anschaut, wird dieser munter weiter auf andere Bereiche der Festplatte geschrieben. Durch Überspringen der Werbeblocks schafft man es vielleicht sogar, den Film im Originalprogramm wieder „einzuholen”. Wie die ebenfalls erst seit wenigen Monaten angebotenen DVD-Videorekorder wurden Festplatten-Rekorder ins Rennen geschickt, um der konventionellen Videotechnik den Garaus zu machen. Ob sie sich beim Fernsehpublikum durchsetzen können, erscheint nach dem Testen des primeTimer aber zweifelhaft. Nicht nur weil das getestete Exemplar ein seltsames Eigenleben führte – es sprang hin und wieder von selbst an und blockierte die Funktionen des TV-Geräts, während es sich umgekehrt bisweilen hartnäckig weigerte, sich einschalten zu lassen –, auch die Technologie an sich ist gewöhnungsbedürftig. So ist es nicht möglich, geliehene Filme auf dem Rekorder abzuspielen. Dafür ist weiterhin ein Aufnahmegerät herkömmlicher Bauart nötig. Das Repertoire des primeTimer für einen Videoabend beschränkt sich auf das, was der Rekorder selbst vom Fernseh-Empfänger auf seine Platte gebannt hat. Dafür allerdings steht reichlich Platz zur Verfügung: Die 40 Gigabyte-Festplatte reicht aus für rund 50 Stunden Filme, Nachrichten und Showprogramm – abgelegt im digitalen MPEG 2-Format und mit überzeugender Bildqualität. Serienliebhaber und Fernseh-Vielgucker, die wenig Wert auf Filmkonserven aus der Videothek legen, dürften daher ihre Freude an dem Gerät haben. Zumal sein übersichtliches, am TV-Bildschirm angezeigtes Bedienmenü das Programmieren, Speichern und sekundengenaue Wiederfinden der Aufnahmen kinderleicht macht. Zum Archivieren können die Aufnahmen etwa per Scart-Kabel auf einen herkömmlichen Videorekorder überspielt werden. Ansonsten aber sind die Aufnahmen Wegwerfware: Ist die Festplatte voll, wird das zuerst gespeicherte Filmmaterial einfach wieder überschrieben.
Was er kann
Nach dem Einschalten zeichnet der primeTimer auf seiner Festplatte automatisch auf, was gerade zu sehen ist. Per Knopfdruck kann das Programm jederzeit angehalten und später weiter angeschaut werden. Außerdem lassen sich diverse Zusatzinformationen zu allen laufenden Sendungen abrufen. Programmiert wird der primeTimer über den TV-Server www.tvtv.de. Ein Zugang zum Internet ist dafür aber nicht nötig: Die Infos werden über eine so genannte Austastlücke im TV-Programm übertragen. Möglich sind spezielle Programmierfunktionen wie das automatische Aufnehmen von Serien.
Was er kostet
Der primeTimer ist für rund 750 bis 800 Euro zu haben.
Die Konkurrenz
Festplattenrekorder, die Ähnliches bieten wie der primeTimer, gibt es zum Beispiel von Yamakawa, JVC und Welo-Electronic.
Das Unternehmen Die Schneider Electronics AG in Türkheim im Unterallgäu hat Ende Januar Insolvenz beantragt. Ob und wie sich die finanziellen Probleme des Unternehmens auf die Herstellung und den Vertrieb des primeTimer auswirken werden, war bei Redaktionsschluss unklar.
Sandra Murr




