Das Thema BSE und eine mögliche Übertragung der Rinderkrankheit auf den Menschen ist noch nicht ausgestanden. Zwar werden alle Tiere, die älter als zwei Jahre sind, nach dem Schlachten getestet, doch die BSE-Tests sind nicht hundertprozentig sicher. Denn die Krankheit kann nur dann nachgewiesen werden, wenn genügend Prionen – die BSE-Erreger – vorhanden sind. Ausreichende Mengen von Prionen findet man nur im Stammhirn älterer Tiere (meist ab 30 Monate), wenn die Rinder bereits Symptome zeigen. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass junge, symptomlose, aber infizierte Rinder unerkannt in den Fleischtheken landen. Einen Schritt vorwärts kamen jetzt Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried. Die Wissenschaftler entwickelten einen Test, der nach Angaben von Jörg Tatzelt, dem Leiter der Arbeitsgruppe, unter Laborbedingungen zehnmal empfindlicher ist als bisher gebräuchliche Tests. Das Prinzip ist simpel: Die Forscher saugen die betreffenden Proben aus Gehirngewebe durch eine Nylonmembran. Die Prionen bleiben daran hängen und werden – nach einigen biochemischen Behandlungen – mit spezifischen Antikörpern nachgewiesen.
Jetzt wollen die Forscher ihren Test an Urin ausprobieren. Eine israelische Arbeitsgruppe fand jüngst Prionen im Harn von erkrankten Hamstern und Rindern sowie bei Menschen, die an der BSE-verwandten Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) leiden. Wenn dieses Experiment gelingt, könnte man Infektionen nicht nur an jungen, sondern auch an lebenden Tieren diagnostizieren, etwa an Milchkühen und Zuchttieren.
Hans Groth




