Bereits vor der Landung war klar, dass ein wichtiges Bauteil des Landers ausgefallen war: der „Kaltgas-Schubantrieb”. Aufgabe dieses Triebwerks war, beim Bodenkontakt Philae gegen die Oberfläche zu drücken, denn sein Gewicht auf 67P beträgt wegen der schwachen Schwerkraft nur wenige Gramm. Herkömmliche chemische Raketenantriebe verwenden einen brennbaren Treibstoff, der gezündet wird. Wenn er aus der Düse schießt, entsteht Schub. Die Kaltgasdüse sollte ihren Schub dagegen ohne Verbrennung erzeugen, nämlich durch den Rückstoß, der beim Ausströmen von Stickstoff ins Vakuum des Alls entsteht. Dazu befindet sich an Bord des Landers ein Druckgefäß, in dem bei 65 Bar drei Liter des Gases auf die „Zündung” warten. Doch dazu kam es nicht. Die Folge: Philae traf zwar sehr genau den vorgesehenen Landeplatz, prallte jedoch sofort wieder von der Oberfläche ab. Dazu trug auch bei, dass die beiden Harpunen, die den Lander im Boden verankern sollten, nicht abgefeuert wurden. Auch bei diesen Bauteilen waren schon vorher Zweifel an der Zuverlässigkeit aufgetaucht. Vergleichbare Exemplare waren jahrelang am Göttinger Max-Planck-Institut im Vakuum gelagert worden und hatten bei einem Test ebenfalls versagt. MPS-Ingenieure hatten daraufhin eine andere Schaltabfolge der Harpunenzünder programmiert und zu Philae gefunkt. Doch diese Reparatur konnte den Fehler nicht beheben. Philae traf den Boden offenbar hauptsächlich mit einem Landebein, und nach dem Abprall flog er in eine andere Richtung weiter. Minuten später berührte er kurz ein aufragendes Hindernis, setzte seinen Irrflug fort und kam erst nach einem weiteren Zwischenstopp zum Stehen. Erst rund zwei Stunden nach dem ersten Bodenkontakt hatte er endgültig die Oberfläche erreicht.




