Das Buch macht klar, dass die Inka nur die zivilisatorischen, kulturellen und künstlerischen Errungenschaften der großen und kleineren Vorgängerreiche bündelten, die sich alle gegen eine unwirtliche Umwelt Küstenwüste, Hochgebirge durchsetzen mussten. Diese allesamt schriftlosen Kulturen haben Staunenswertes geschaffen in Architektur, Textilkunst, Goldschmiederei, Keramik und Landwirtschaft.
Aus all diesen Bereichen liefern die großformatigen Bilder herausragende Beispiele einfühlsam und teilweise aus überraschender Perspektive fotografiert. So werden die Details der mythologisch bemalten oder mit Figuren skulptierten Tongefäße lebendig. Die Fotos zeigen die Architektur in der Naturkulisse der Anden Heiligtümer, Vorratslager, Kastelle in all ihrer Großartigkeit.
Eindrucksvoll sind die Darstellungen der Textilien, von denen viele im Wüstenklima der peruanischen Küste erhalten geblieben sind. Wie vielfarbig und figurenreich ein so spröder Untergrund wie Gewebe künstlerisch veredelt werden kann, erstaunt bei jedem Bild aufs Neue. Die Goldschmiede der Andenreiche beherrschten ihr Material und ihr Handwerk perfekt: ob Ohrpflock oder Ritualmesser, Maske oder Gefäß überall fanden sie noch ein Plätzchen für eine Perle, Rosette oder Figur.
Die Texte der Autoren italienische Ethnologen und Archäologen passen die Bilder geschickt in die Lebenswelt der andinen Kulturen ein, so weit diese bekannt oder erforscht sind. Doch wegen der fehlenden schriftlichen Überlieferung bleibt notgedrungen vieles im Bereich von Spekulation und Interpretation. Hier arbeiten die Schreiber manchmal mit einem allzu selbstbewussten Anspruch auf exaktes Wissen. Und es ist natürlich ein Manko, dass der sensationelle Fund von Caral, der vermutlich ältesten Siedlung Amerikas (siehe bild der wissenschaft 4/2006, “Streit um Amerikas erste Hochkultur”), nur mit ein paar Zeilen erwähnt wird.
Michael Zick




