Zwei Jahrzehnte lang war Silvia Stabel begeisterte und erfolgreiche Krebsforscherin. Sie arbeitete an namhaften europäischen Instituten, habilitierte sich, sollte eine Professur bekommen. Doch als sie erreicht hatte, wovon viele Kollegen nur träumen, tauschte sie den Labor- mit dem Malerkittel. Warum ließ sie, eine der wenigen erfolgreichen Frauen der deutschen Wissenschaftsszene, ihre Karriere sausen? Zum Teil aus Frustration darüber, daß Forschung so mühselig und langwierig ist. „Ich hatte nicht das Gefühl, trotz harter Arbeit einen wirklich bedeutsamen Beitrag leisten zu können”, resümiert Stabel. Mit einem Malkurs begann ihr Künstlerdasein. Aus Unlust wurde schnell Berufung. „Seit 1996 bin ich nur noch Malerin”, erzählt die 46-jährige glücklich.
Zwei Jahre lang malte sie ihren Verkaufsschlager, den Kölner Dom, in zahlreichen Versionen, außerdem Menschen und Natur. „Aber dann gingen mir immer wieder Probleme wie Genomforschung, Embryonenforschung, Gentherapie durch den Kopf”, sagt Stabel. Sie begann, diese Themen in Acrylfarbe auf Leinwand zu bannen. Da leuchten überdimensional große Bakterien in Blau und Grün, verfremdete Krebszellen in aggressivem Gelb. Grau in Grau stellt Stabel die Buchstaben des Erbguts dar, das „Alphabet des Lebens”. Stabel: „Mit meinen Bildern will ich dazu beitragen, daß Menschen sich mit diesen Themen beschäftigen. Ich beziehe keine Stellung für oder gegen Genforschung. Es ist einfach eine neue Art, den Bürgern Forschung nahezubringen.”
Hans Groth / Silvia Stabel




