Der von der UNESCO unterstützte L’Oreal-Preis „for women in science” wird jedes Jahr an fünf Frauen aus fünf Kontinenten verliehen, die mit ihrer Arbeit maßgeblich zum wissenschaftlichen Fortschritt beitragen konnten. Dieses Jahr holte sich die vor 61 Jahren im englischen Darlington geborene Mary Osborn den mit 20000 Dollar dotierten Preis. „Mit der Entwicklung eines Immunfluoreszenz-Mikroskopieverfahrens hat die Molekularbiologin in ihrem Göttinger Labor die Zellforschung auf der ganzen Welt revolutioniert”, heißt es in der Urteilsbegründung der Jury. Ihr Verfahren hilft bei der exakten Bestimmung von Tumortypen. „Das Ergebnis kann für die Wahl der richtigen Behandlungsmethode bei Krebspatienten entscheidend sein”, meint Osborn. Doch die Preisträgerin ist bescheiden. Sie betont, dass der Erfolg nur durch die enge Zusammenarbeit mit Zellbiologen, Biochemikern, Medizinern und Pathologen möglich war. Interdisziplinäres Arbeiten war ihr seit jeher ebenso wichtig, wie das Forschen an Instituten, die mit internationaler Forscher-Elite glänzen können. Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre arbeitete sie in den Labors der Erbgutpioniere James D. Watson und Francis Crick in Harvard und Cambridge. Nach drei Jahren im Cold Spring Harbor Laboratory in New York kam Osborn 1975 zum Max-Planck- Institut für Biophysikalische Chemie nach Göttingen. Seit 1989 ist sie Honorarprofessorin an der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen. International und interdisziplinär wird es für Osborn sicherlich auch in Zukunft zugehen, wenn sie 2003 die Präsidentschaft der International Union of Biochemistry and Molecular Biology antritt.
Hans Groth





