Trotz seiner 79 Jahre gehören Computer und Internet für Joseph Weizenbaum zum Alltag. Kein Wunder, schließlich gilt Weizenbaum als Computerpionier, der seit den sechziger Jahren maßgeblich am Fortschritt der Informatik beteiligt ist: Er entwickelte unter anderem das ELIZA-Programm, das ein Meilenstein in der Künstlichen Intelligenz war. Joseph Weizenbaum emigrierte 1936 mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten, wo er ab 1941 an der Wayne-University in Detroit Mathematik studierte. 1963 begann er dann seine Karriere als Informatiker am MIT in Boston. Sein Auftrag war, dem Computer das Sprechen beizubringen. Mit dem 1966 entwickelten Programm ELIZA gelang das schließlich. Die Folge war aber auch, dass immer mehr Psychiater das Programm bei ihren Therapie-Sitzungen einsetzten, um den Patienten mit Frage-Antwort-Spielen zu beschäftigen, während sie selbst nichts taten. Das passte Weizenbaum gar nicht, und er schrieb 1974 sein Buch „Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft”, in dem er darauf verwies, dass Maschinen Menschen nie völlig ersetzen könnten. Als kritischer Wissenschaftler war Weizenbaum gern gesehener Gast an zahlreichen Universitäten der USA. Nach 25 Jahren am MIT und mit einigen Ehrentiteln in der Tasche zog es ihn zurück nach Deutschland. Auch hier wurde der Wissenschaftler mehrfach ausgezeichnet. Es folgten Gastprofessuren in Hamburg, Bremen, Berlin und Freiburg. Und als Mitbegründer des Forums der Informatiker für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FifF) ist Weizenbaums Meinung zum technischen Fortschritt bis heute immer wieder gefragt.
Hans Groth




