Arme Politiker!
Wie ergeht es Bundestagsabgeordneten, wenn sie aus dem Amt scheiden? „Normalerweise glaubt man doch, dass großzügige Übergangsgelder ihnen einen sanften Ausstieg bescheren, doch systematisch wurde das bisher nicht untersucht”, wundert sich Maria Kreiner.
Für ihre Dissertation in Soziologie an der Universität Oldenburg, die jetzt als Buch „Amt auf Zeit” erschienen ist, sprach sie deshalb mit 38 Abgeordneten darüber, wie es ihnen nach ihrer Zeit in Bonn oder Berlin beruflich und persönlich ergangen ist. Fazit: Oft tun sich Ex-Politiker schwer, im Alltag und Beruf wieder Fuß zu fassen, gelegentlich haben sie auch Probleme mit dem Selbstwertgefühl und Geldsorgen. So fühlten sich einige nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag als „Nobody” und entwickelten Minderwertigkeitskomplexe. Belastend war für manche Ex-Politiker der Gang zum Arbeitsamt und der damit verbundene Papierkrieg. Kreiner war überrascht, dass sie viele ihrer Vorurteile über „Die da oben” nach ihren Studien gründlich revidieren musste.
Selber in die Politik zu gehen, kann sich die in Leutkirch im Allgäu aufgewachsene Wissenschaftlerin nicht vorstellen. „Obwohl ich ein sehr politischer Mensch bin und während der Schulzeit ein richtiger Ökokrieger war, ist das keine Option für mich, denn dafür bin ich nicht genug Machtmensch.”
Nach dem Abitur wusste Maria Kreiner erst einmal nicht so recht, was sie machen sollte. „Ausbildung ja, aber zu was? Bei uns in der Familie hat noch nie jemand studiert, deshalb war ich völlig überrascht, als man mir beim Arbeitsamt die Universität empfahl”, berichtet Kreiner. Weil sie schon seit der Schule interessierte, wie die Gesellschaft funktioniert, welche Rolle die Individuen darin spielen und welche Möglichkeiten es gibt, sie zu verändern, entschied sie sich, Sozialwissenschaften zu studieren.
In den nächsten Jahren will die 32-Jährige sich an der Universität Osnabrück habilitieren, vermutlich über Demokratieverständnis und -zufriedenheit in der Bundesrepublik. Ihre These: „Menschen wollen in erster Linie materielle Sicherheit. Sie lehnen Regierungsformen ab, die das nicht bieten können. Das verstehe ich. Ich kann aber nicht akzeptieren, dass die Demokratie als theoretisch gerechteste aller Regierungsformen immer mehr an Ansehen verliert.”





