Der Botenstoff Oxytocin gilt als „Kuschelhormon“: Erwird immer dann ausgeschüttet, wenn wir mit vertrauten oder geliebten Menschen interagieren. Dies trägt dazu bei, dass wir uns entspannt fühlen und leichter soziale Bindungen und Vertrauen aufbauen. Dadurch stärkt Oxytocin beispielsweise die Bindung zwischen Mutter und Kind oder zwischen Partnern in einer Beziehung. Gleichzeitig senkt das Hormon den Stresspegel und kann sogar Schmerzen lindern und die Wundheilung fördern.
Doch das Kuschelhormon hat eine Kehrseite: Es wird auch in Konflikten, bei Rivalität zwischen Gruppen und sogar bei häuslicher Gewalt vermehrt freigesetzt, wie Studien belegen. In solchen Situationen scheint Oxytocin demnach eher feindseliger und aggressiver zu machen. „Diese scheinbar paradoxe Dualität wird klarer, wenn man weiß, dass Oxytocin nicht per se prosozial oder antisozial macht, sondern eher bei der Anpassung an die soziale Situation hilft“, erklären Charlotte Debras von der Universität Zürich und ihre Kollegen.

Fußballspiele als Testfall
Was dies in der Praxis bedeutet, haben die Forschenden beim Naturvolk der Tsimane im bolivianischen Amazonasgebiet untersucht. Diese Jäger und Sammler leben in kleinen, meist aus wenigen Familien bestehenden Gruppen zusammen. Innerhalb dieser Gemeinschaften kooperieren die Familien bei den täglichen Arbeiten und der Versorgung der Kinder, gleichzeitig gibt es jedoch auch Konkurrenz um Ressourcen und sozialen Status, wie das Team erklärt.
Eine wichtige Rolle für das Ansehen und die soziale Stellung in der Gruppe spielen bei den Tsimane Fußballspiele. Mehrfach pro Woche messen sich vor allem die Männer einer Gemeinschaft in solchen Matches, sonntags finden Fußballspiele zwischen Mannschaften benachbarter Gemeinschaften statt. Frauen nehmen auch an den Spielen teil, tun dies aber seltener. „Solche Fußballspiele werden als emotional sehr intensiv und von starker Rivalität geprägt geschildert“, berichten Debras und ihr Team.
Sie untersuchten bei 90 Tsimane, wie sich der Oxytocinspiegel im Blut bei Fußballspielen innerhalb der eigenen Gruppe, bei Spielen gegen Nachbarn und bei Spielen gegen Nicht-Tsimane veränderte.





