Kinder und Jugendliche nutzen das Internet besonders kreativ. “Die aufregendsten Sites bauen Leute zwischen 15 und 19”, sagt der Webdesigner David Linderman von der deutsch-amerikanischen Agentur Fork Unstable Media über die jungen Netznutzer. Von denen gibt es immer mehr: Im nächsten Jahr werden in Europa etwa 6 Millionen Teenager einen eigenen Internet-Zugang besitzen, in fünf Jahren sollen es sogar 15 Millionen sein. Aber das Netz fördert nicht nur den Einfallsreichtum der Jugendlichen, es setzt sie auch unter Streß: Der Teenager “surft in 90 Sekunden um die Welt, telefoniert in allen Lebenslagen, zappt wie im Fernsehen durch das Leben, steht ständig unter Strom”, sagt der Freizeitforscher Prof. Horst W. Opaschowski. Die vom ihm so getaufte “Generation” treibt die Angst um, im Leben etwas zu verpassen – rastlos nach der Erlebnisformel “Leben minus Langeweile”. Der Druck auf die Jugendlichen wird noch zunehmen: Konzerne haben den Lebenshunger der Generation als Geldquelle ausgemacht und werben im Netz mit immer mehr Angeboten um deren Gunst. Auf 18 Milliarden Mark schätzen die Verlage Bastei und Springer die jährliche Kaufkraft der jungen Surfer. Aber eine Konsum-Kultur wie beim Fernsehen hat im Internet wenig Chancen. Erfolgreich sind dort vor allem Sites, die zum Mitmachen einladen. Die Jugendlichen werden davon profitieren. Computer und Internet sind nach Meinung vieler Wissenschaftler sogar dafür verantwortlich, daß der durchschnittliche Intelligenzquotient der Teenager seit Jahren stetig steigt. Solche Jugendlichen bräuchten Rückhalt. Da viele Erwachsene aber gar nicht verstehen, was ihre Kinder an den Rechner treibt, muß die Generation alleine ihren Weg finden.
Andreas Wawrzinek




