Im Elfenbeinturm der Experten hat er sich nie versteckt. Der Berliner Genforscher Prof. Jens Reich, 57, fordert immer wieder die Bringschuld der Wissenschaft ein, gerade bei heiklen Themen. Dafür bekam er jetzt eine Medaille.
Für seinen Willen und seine Fähigkeit, komplizierte und sensible Ergebnisse der Wissenschaft der Allgemeinheit zugänglich zu machen, erhielt Jens Reich die Lorenz-Oken-Medaille der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ). “Er hat wesentlich dazu beigetragen, der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, sich über Für und Wider der Genforschung zu informieren, und er hat auch innerhalb der Wissenschaft Diskussionen über Fragen der Ethik angeregt”, heißt es in der Laudatio.
Am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin leitet Reich eine Arbeitsgruppe zur Analyse von Krankheitsgenen. Einige Jahre hatte er auch versucht, seine Vorstellung über einen unvoreingenommenen Diskurs in der Politik zu verwirklichen.
Er mußte dann einsehen, “daß dort differenzierte Argumentation nicht gefragt ist”. Dennoch berichtet Reich unermüdlich in vielen Aufsätzen und Vorträgen über die Chancen der Gentechnik, verschweigt aber auch die Risiken nicht (“Gentherapie? – Ich würde darum bitten”, bild der wissenschaft 6/1996).
Die Oken-Medaille ist nach dem Arzt Lorenz Oken benannt, der 1822 die GDNÄ gründete, die älteste deutsche wissenschaftliche Vereinigung.





