Die Gletschermumie „Ötzi“ ist wahrscheinlich der am besten untersuchte prähistorische Mensch Europas: Die 5.300 Jahre lang im Gletschereis konservierten Überreste dieses Mannes, seiner Kleidung und Ausstattung liefern einzigartige Informationen über Aussehen, Lebensweise, Krankheiten und Ernährung der Menschen in der Kupferzeit. 2023 haben DNA-Analysen zudem verraten, dass Ötzi zu fast 90 Prozent von anatolischen Bauern abstammte und eine eher dunkle Haut hatte.

Wegen ihres immensen Werts für die Forschung wird die berühmte Gletschermumie unter speziellen Bedingungen aufbewahrt: Ötzi liegt in einem auf minus sechs Grad heruntergekühlten, weitgehend sterilen Raum mit 99-prozentiger Luftfeuchtigkeit. Dies soll helfen, die Zersetzung der Gletschermumie durch Mikroben zu verhindern. „Diese Bedingungen sind denen im Gletscher sehr ähnlich, in dem die Mumie gefunden wurde“, berichten Mohamed Sarhan und seine Kollegen vom Institut für Mumienforschung von Eurac Research in Bozen.
Sind Ötzis Mikroben noch heute aktiv?
„Eine entscheidende Frage bleibt jedoch ungeklärt: Verhindern die aktuellen Konservierungsbedingungen wirklich das Mikrobenwachstum oder ermöglichen sie kälteadaptierten Mikroorganismen trotzdem eine Stoffwechselaktivität?“, erklären die Forschenden. Sollte Letzteres der Fall sein, könnte dies die Erhaltung der Mumie gefährden. Zwar wurden Oberfläche und Inneres von Ötzi schon mehrfach auf mikrobielle DNA hin analysiert, dabei wurde aber nicht zwischen ruhenden, toten und metabolisch aktiven Zellen unterschieden.
Ob Öztzis mikrobielle Mitbewohner auch in der Kältekammer wachsen und gedeihen, war daher unklar. Deshalb haben Sarhan und seine Kollegen nun das Mikrobiom Ötzis noch einmal gründlicher untersucht. Unter anderem analysierten sie Abstriche, Eis und Schmelzwasser von verschiedenen Stellen der Mumienoberfläche und aus ihrem Inneren. Zum Vergleich werteten sie auch ältere Daten von Gewebeproben und Ötzis Mageninhalt aus und analysierten eine 1991 am Fundort entnommene Bodenprobe.






