Warum suchen Sie Korallen in 700 Meter Tiefe, Herr Professor Hebbeln?
Bei früheren Expeditionen, die teilweise schon 20 Jahre zurückliegen, hatte man mit dem Sonar am Meeresboden Strukturen entdeckt, die aussahen wie die Hügel, die Kaltwasserkorallen typischerweise bilden. Wir wollten jetzt nachsehen, wie es dort wirklich aussieht.
Und was haben Sie entdeckt?
Vor der Küste von Yucatan haben die Korallen tatsächlich große Strukturen aufgebaut. Dort gibt es sie in Massen. Aber vor Florida und den Bahamas sieht es anders aus. Was im Sonar wie Korallenhügel wirkte, waren in Wahrheit Bruchstücke des Kontinentalhangs, die abgerutscht waren.
Die Forscher hatten das für Massenvorkommen von Korallen gehalten …
Mit den damals verfügbaren Methoden konnte man das auch annehmen. Mit den Greifern hat man tatsächlich Proben vom Meeresboden geholt, in denen Kaltwasserkorallen waren. Wie wir aber mit den Tauchrobotern gesehen haben, siedeln nur wenige Korallen auf den Abbruchhängen. In der Grundlagenforschung verfügen wir ja erst seit 10, 15 Jahren über Tauchroboter, um nachzuschauen, was in der Tiefe wirklich los ist.
Und das hat die Vorstellung von der Tiefsee verändert?
Absolut! Aber trotzdem: 70 Prozent der Erde sind von Meeren bedeckt, und wir kennen kaum etwas von dem, was sich dort unten abspielt. 2002 sagte ein englischer Kollege: Was wir in der Tiefe vom Meeresgrund tatsächlich gesehen haben, ist nur ein paar Fußballfelder groß. Inzwischen sind es ein paar mehr, aber wir sind immer noch nicht raus aus der Dimension der Fußballfelder.




