„Ich habe überhaupt nichts mehr zum Anziehen”, jammerte meine Frau und starrte missmutig in ihren übervollen Kleiderschrank. Aus langjähriger Erfahrung wusste ich, dass es keinen Zweck hatte, ihr zu widersprechen, und stellte mich schicksalsergeben auf eine Einkaufstortur ein. So kam es dann auch: Stundenlang zogen wir durch die Kaufhäuser und Boutiquen der Innenstadt, und meine Frau probierte Hunderte von Kleidungsstücken an. Gegen Abend waren wir beide mit einem Dutzend großer Tüten bepackt und wollten gerade zum Parkhaus, um nach Hause zu fahren, als meine Frau eine Parfümerie entdeckte. „Warte kurz”, sagte sie. „Ich bin in zwei Minuten zurück.” Zwei Minuten können bei meiner Frau auch eine Stunde bedeuten, darum rief ich ihr hinterher: „Ich gehe so lange in das Antiquariat gegenüber!” Ich hatte bereits eine halbe Stunde in den Regalen gestöbert, als ich zwischen den dickleibigen, grauen Bänden von Dostojewskis gesammelten Werken einen schmalen roten Rücken leuchten sah. Neugierig zog ich das dünne Heft heraus. Er trug den Titel „Nick Knatterton, 100 Abenteuer des berühmten Meisterdetektivs, 4. Folge”. Nick Knatterton ist der Held einer überaus erfolgreichen deutschen Comicserie aus den Fünfzigerjahren und eine Parodie auf die amerikanischen SupermanComics. Die Zeichnungen und die Texte stammen von Manfred Schmidt. In setzte mich in eine Ecke und begann zu lesen. In der Geschichte „Ein Schloss fällt aus der Tür” erzählt Schmidt, dass Nick Knatterton schläft und dabei träumt, dass er schläft und dabei träumt, dass er … und so weiter. In der Zeichnung sieht man Knatterton im Bett liegen und eine Sprechblase geht von seinem Kopf aus. In dieser Sprechblase sieht man Knatterton wiederum im Bett liegen und eine Sprechblase geht von seinem Kopf aus. Auch in dieser Sprechblase wiederholt sich das Bild, und so geht das immer weiter. Knattertons Schlaf und sein Traum sind ähnlich wie die russischen MatroschkaPuppen unendlich oft verschachtelt. Neben das Bild hatte jemand mit Bleistift eine mathematische Formel geschrieben:
In diesem Moment sah ich durch das Fenster, wie meine Frau die Parfümerie gegenüber verließ. Rasch bezahlte ich das Heft und ging auf die Straße. Auf dem Weg zum Parkhaus zeigte ich meiner Frau die Schlafzeichnung aus dem Heft und die daneben stehende Gleichung. „Ich habe keine Ahnung, was die Formel bedeuten soll”, sagte ich. „Das ist doch völlig logisch”, entgegnete meine Frau. Und sie erklärte mir: „Nick Knatterton schläft pro Tag nicht nur eine Nacht, sondern durch die unendliche Schlafschachtelung täglich jeweils x Nächte.” Natürlich verstand ich nicht, warum das völlig logisch sein sollte. Doch welcher Mann versteht schon die Frauen? Aber einmal angenommen, meine Frau hatte recht: Wie viele Nächte x würde Nick Knatterton dann täglich schlafen?
So machen Sie diesen Monat mit
Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 31. Januar 2011 an:
bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 01|11″
Ernst-Mey-Str. 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen
Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im April-Heft 2011 auf der Leserbrief-Seite veröffentlicht.
Zu gewinnen
Unter den Einsendern der richtigen Lösung wird 5 Mal das Buch „ Der Große Entwurf” ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. In dem Buch beschreiben der berühmte Kosmologe Stephen Hawking und der Physiker Leonard Mlodinow, wie die Naturgesetze das Universum erklären. Es geht um den Urknall und die bizarre Quantenwelt, aber auch um philosophische Fragen – zum Beispiel, wie sich die Welt ohne göttliche Eingriffe oder Schöpfung erklären lässt. Vor allem geht es jedoch um das Abenteuer der Erkenntnis und wie Menschen mit immer raffinierteren Methoden und Theorien die Grundfesten des Kosmos enträtseln. Mehr Informationen finden Sie unter www.rowohlt.de.





