Warum ist die Astronomie ein ideales Feld für die professionelle Arbeit von Amateuren, Herr Miller?
Die Faszination des Weltalls motiviert, es zu erforschen und zu verstehen. Da sich mit den heutigen Ressourcen nur eine kleine Zahl von Berufsastronomen unterstützen lässt, haben professionelle Amateure eine echte Chance. Die Kosten für Ausrüstung und Software sind in den letzten zehn Jahren stark gesunken, sodass auch Amateure nun hochwertige Kameras und Teleskope nutzen können, über die früher nur Berufsastronomen verfügten. Und Amateure, die keine entsprechende Ausrüstung besitzen, können auf Beobachtungsdaten von Profis zugreifen.
Im englischen Sprachraum ist von „Citizen Science” („Bürgerwissenschaft”) die Rede. Funktioniert das?
Nicht nur Geld motiviert, sondern auch soziale Anerkennung und persönliche Befriedigung. Heute ist es einfach, an Informationen heranzukommen, um auf professionellem Niveau zu arbeiten. Das Internet ist das ideale Werkzeug, um von Gleichgesinnten zu lernen und Informationen untereinander auszutauschen.
Sind professionelle Amateure gescheiterte Wissenschaftler?
Manche schon. Aber viele haben sich bewusst gegen eine Karriere in der Forschung entschieden. Sie genießen ihre Arbeit viel stärker, als sie es könnten, wenn ihr Einkommen davon abhinge.
Profitiert die Gesellschaft von ihnen?
Der gesellschaftliche Nutzen ist gewaltig. Die Vereine, in denen sich professionelle Amateure organisieren, sorgen für soziale Bindungen. Das nutzt den Menschen auch in anderen Lebensbereichen. Citizen Scientists sind zudem eine Quelle von Innovationen, manchmal sogar Ideengeber für neue Produkte. Die freie Software ist ein prominentes und wirtschaftlich relevantes Beispiel.




