Das sei doch egal, meinen Sie? Keineswegs: Messungen haben ergeben, dass der Kühleffekt ganz unterschiedlich ist. Tatsächlich bringen Sie den Kaffee umso schneller auf eine erträgliche Trinktemperatur, je später Sie die Milch hineinschütten. Das lässt sich sogar recht einfach erklären: Entscheidend für die Geschwindigkeit des Abkühlens ist der Temperaturunterschied zwischen Getränk und Umgebung. Und der ist nun einmal umso größer, je wärmer der Kaffee ist – die Raumtemperatur ist ja stets dieselbe. Das bedeutet, dass das heiße Getränk anfangs rasch und dann mit sinkender Temperatur immer langsamer abkühlt. Und zwar so lange, bis es schließlich genauso warm oder kalt ist wie die Umgebung.
Wenn Sie das anregende Getränk also möglichst bald genießen, sich dabei jedoch nicht den Mund verbrennen wollen, sind Sie gut beraten, mit der Zugabe der Milch bis unmittelbar vor dem Trinken zu warten und dann nur kurz umzurühren. Denn schwarzer und damit heißer Kaffee kühlt um etwa 20 Prozent schneller ab als mit kalter Milch versetzter. Diesen Zusammenhang hat bereits Isaac Newton, der berühmte Entdecker der Gravitation, in seinem „Abkühlungsgesetz“ aus dem Jahr 1701 beschrieben: Bringt man einen Körper mit der Temperatur T in einen Raum mit der konstanten Temperatur T0, so ist die momentane Änderungsrate von T proportional zur Differenz der Raumtemperatur T0 und der Temperatur T des Körpers.
Was umgekehrt natürlich genauso gilt. Kommt man also nicht dazu, den Kaffee sofort zu trinken, weil vielleicht gerade das Telefon läutet, möchte ihn aber nach der Unterbrechung noch möglichst warm genießen, dann vor dem Hörer-Abnehmen noch rasch hinein mit der Milch! So verringert man den Temperaturunterschied zwischen Tasseninhalt und Umgebung und verzögert damit die weitere Abkühlung.
Und was macht man, wenn man nur schwarzen Kaffee mag? Nun, dann muss man pusten. Denn damit bläst man die heiße Luftschicht über dem Kaffee fort und sorgt so dafür, dass die Oberfläche der Flüssigkeit mit der kühleren Umgebung in Berührung kommt. Entscheidend für den Kühleffekt ist eben immer die Temperaturdifferenz zwischen Getränk und Umgebung.





