Dabei handelt es sich oft nicht um ein psychologisches Unwohlsein, das man mit ein wenig Ablenkung ablegen kann, sondern um ein komplexes Wechselspiel zwischen Trennung und Gehirn. Ein Wechselspiel, das das Schmerzempfinden, die Stressverarbeitung und das klare Denken völlig aus dem Takt bringt. Am Ende bleibt ein System im Ausnahmezustand.
Die Neurobiologie von Bindung und Verlust
Bindung hat eine eigene, mächtige Chemie. Wer liebt, dessen Gehirn badet förmlich in einem Cocktail aus Neurotransmittern. Dopamin sorgt für Motivation. Oxytocin und Serotonin schaffen tiefes Vertrauen und Sicherheit. Das Belohnungssystem ist hochaktiv und formt eine starke Abhängigkeit zur Bezugsperson. Fällt dieser Reiz plötzlich weg, passiert etwas Erstaunliches. Das Gehirn reagiert nicht einfach mit rationaler Akzeptanz oder bloßer Traurigkeit. Es reagiert mit Entzug.
Mittlerweile ist in Hirnscans nachgewiesen, dass bei verlassenen Menschen exakt jene Areale feuern, die auch bei Suchtkranken auf hartem Entzug aktiv sind. Das Belohnungssystem verlangt nach seinem gewohnten Reiz. Das zwanghafte Nachdenken über den Ex-Partner ist daher kein Zeichen von Charakterschwäche. Im Gegenteil. Es ist biologischer Natur.
Hinzu kommt ein weiteres, schmerzhaftes Phänomen. Der Schmerz ist im wahrsten Sinne des Wortes real. Wenn Forschende der Neurobiologie „sozialen Schmerz“ untersuchen, also emotionales Leid wie solches durch Trennung, Verlust, Ausgrenzung, Ablehnung oder Einsamkeit, wird ein fundamentales Konstruktionsmerkmal unseres Gehirns klar. Das Denkorgan trennt kaum zwischen einer echten körperlichen Verletzung und massiver sozialer Zurückweisung. Ein gebrochenes Bein und ein gebrochenes Herz aktivieren verblüffend ähnliche neuronale Schmerzzentren. Zuständig hierfür ist in beiden Fällen der anteriore cinguläre Cortex (ACC) – ein zentraler Bereich der Großhirnrinde im limbischen System, der Emotionen, Kognition und autonome Funktionen verbindet.
Das Stresssystem und die HPA-Achse
Menschen sind Herdentiere. Der Wegfall der primären Bezugsperson bedeutete in der Frühzeit der menschlichen Evolution wohl oft den sicheren Tod. Das Gehirn hat das nicht vergessen. Die Amygdala, unser emotionales Alarmsystem im Schläfenlappen, schlägt bei einer Trennung sofort an. Sie wittert existentielle Gefahr und aktiviert die sogenannte HPA-Achse. Der Körper wird daraufhin ununterbrochen mit Hormonen geflutet.





