Unsere innere Uhr bestimmt den Tagesrhythmus unseres Körpers: Sie beeinflusst, wann wir müde werden, wann bestimmte Stoffwechselvorgänge auf Hochtouren laufen und auch, ob wir Frühaufsteher sind – oder Nachteulen. Bei Menschen dieses Chronotyps tickt die innere Uhr langsamer und hängt der natürlichen Zeiteinteilung um bis zu zwei Stunden hinterher. Als Folge kommen Nachteulen morgens früh nur schwer aus dem Bett. Dafür laufen sie zu Höchstform auf, wenn andere abends schon wieder müde werden. Forscher wissen heute, dass zumindest ein Teil dieser chronobiologischen Besonderheiten genetisch bedingt sind.
Das Problem: Unsere Gesellschaft stellt sich auf diese Besonderheiten nicht ein. Im Alltag wird von den meisten Menschen verlangt, früh aufzustehen – sei es, um die Kinder pünktlich um acht zur Schule zu bringen oder selbst rechtzeitig im Büro zu erscheinen. Viele Nachteulen-Typen leben daher ständig entgegen ihres inneren Rhythmus. Das kann gesundheitliche Konsequenzen haben: Studien belegen, dass ein Leben entgegen des internen Taktgebers auf Dauer das Risiko für Stoffwechselstörungen und Herzkreislauferkrankungen erhöht und auch die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Besonders deutlich zeigt sich dieses Phänomen bei Schichtarbeitern.
Morgen- oder Abendtyp?
Doch was bedeutet das für die Gesundheit von Nachteulen und in Folge für ihre Sterblichkeit? Kristen Knutson von der Northwestern University in Chicago und Malcom von Schantz von der University of Surrey sind dieser Frage nun nachgegangen. Dafür begleiteten sie knapp 500.000 Briten im Alter zwischen 38 und 73 über einen Zeitraum von sechseinhalb Jahren. Zu Beginn der Untersuchung gaben diese Probanden Details zu ihrem Schlafverhalten an: Waren sie eher der Morgen- oder der Abend-Typ? Anschließend beobachteten die Forscher, wer von den Teilnehmern krank wurde oder starb. Würde sich bei vergleichbarer Lebensweise und gesundheitlichen Voraussetzungen ein Zusammenhang mit der individuellen Chronobiologie feststellen lassen?
Tatsächlich zeigte sich: Die Nachteulen der Stichprobe erkrankten unter anderem häufiger an Diabetes sowie psychischen und neurologischen Störungen. Außerdem starben sie früher. Demnach hatten die Probanden dieses Chronotyps ein zehn Prozent höheres Risiko im Studienzeitraum zu sterben als die morgenliebenden Lerchen der Gruppe. Als Nachteule wie ein Frühaufsteher leben zu müssen, scheint sich demnach merklich negativ auswirken zu können. Mögliche Erklärungen für diesen Effekt könnten dem Team zufolge zum Beispiel psychologischer Stress, Schlafmangel oder für den Körper ungünstige Essenszeiten sein.
Umstellen ist möglich
Zwar zeigt die Erhebung nur Korrelationen und keine direkten kausalen Zusammenhänge auf. Trotzdem fordern Knutson und ihr Kollege als Konsequenz aus ihren Ergebnissen, dass die Arbeitszeiten für Nachteulen besser an deren inneren Takt angepasst werden müssen. “Sie sollten nicht gezwungen werden, um acht Uhr aufzustehen”, sagt Knutson. “In vielen Jobs könnte die Schichtenvergabe zum Beispiel an den Chronotyp angepasst werden. Manche Menschen sind womöglich besser in der Nachtschicht aufgehoben.” “Wir sollten dieses Problem auf keinen Fall länger ignorieren”, konstatiert Schantz.





