Führt Stress zum Versagen? Das hat der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Dohmen vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit in Bonn untersucht. Seine Versuchskaninchen waren Fußballer. Die Ergebnisse seiner Studie lassen nichts Gutes für ein mögliches Elfmeterschießen der deutschen Nationalmannschaft bei der kommenden Weltmeisterschaft erwarten.
Herr Dr. Dohmen, Sie haben sämtliche 3619 Elfmeter analysiert, die in den 12 488 Spielen der ersten Bundesliga zwischen 1963 und 2004 geschossen wurden. Warum?
Arbeitsökonomen sagen, dass Anreize die Leistung von Mitarbeitern steigern. Psychologen glauben dagegen, dass der dabei entstehende Erfolgsdruck die Leistung mindern kann. Diese gegenläufigen Theorien wollte ich testen. In der Praxis kann Erfolg und Misserfolg wegen der Komplexität des Arbeitsumfelds höchstens stark verzerrt gemessen werden. Das ist anders, wenn Berufsfußballer vor der Aufgabe stehen, einen Elfmeter zu schießen.
Fördert oder schwächt Druck den Fußballer?
Vorweg: Um den Einfluss des Torhüters weitgehend auszuschließen, habe ich nur Elfmeterschüsse neben das Tor als Misserfolg gewertet. Dabei kam heraus, dass die Schützen in spielentscheidenden Situationen tendenziell seltener versagten. Aber es ist bei der Untersuchung noch etwas ganz anderes Entscheidendes herausgekommen: Die Spieler schossen besonders häufig bei Heimspielen am Tor vorbei.
Wie erklären Sie sich das?
Ich glaube, das liegt an den Fans. Unter dem Blick freundlich gesinnter Zuschauer flattern die Nerven professioneller Fußballspieler mehr. Dabei ist es egal, wie viel von dem Treffer abhängt. Übertragen auf die Berufswelt hieße das, dass Menschen, die sich von freundlich gewogenen Mitarbeitern beobachtet fühlen, weniger Leistung bringen, als sie eigentlich können.





