Sie haben Angst mit fremden Menschen zu reden, und sie zeigen sich nicht gern in der Öffentlichkeit – immer mehr Menschen leiden unter „Sozialangst”. Besonders bei Kindern tritt diese Störung immer häufiger auf. Dazu befragten wir Romuald Brunner von der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Heidelberg.
Wann spricht man von Sozialangst?
Natürlich leidet ein Kind nicht gleich unter Sozialangst, weil es bisweilen Angst vor Fremden hat oder die Dunkelheit fürchtet. Das ist in einem bestimmten Alter völlig normal. Wenn aber etwa Trennungsangst von den Eltern, Schulangst oder gar Ängste im Umgang mit Gleichaltrigen über längere Zeit andauern, kann dies der Beginn einer Sozialangst sein.
Mit welchen Folgen?
Der Schweregrad reicht vom Verlust der kindlichen Unbefangenheit über Unbehagen bis zu panikartigen Zuständen mit anhaltender Vermeidung der angstauslösenden Situationen. Während am Anfang „nur” der Schulbesuch vermieden wird, trauen sich die Kinder irgendwann gar nicht mehr aus dem Haus oder können sich ohne Begleitung der Eltern nicht mehr in der Öffentlichkeit bewegen, ohne stark geängstigt zu sein. Wichtige alterspezifische Entwicklungsaufgaben können sie dann nicht mehr bewältigen.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Wichtig ist vor allem, dass die Krankheit früh genug erkannt wird. Dazu ist eine sorgfältige neurologische, psychologische und psychiatrische Diagnostik erforderlich. Bei positivem Befund sollten Verhaltenstherapie und Familienberatung folgen. In besonders schweren Fällen muss auch über eine zusätzliche Behandlung mit Antidepressiva nachgedacht werden.





