Bei rund 70 Prozent aller Flugunfälle sind menschliche Fehler im Spiel. Meistens ist die Kommunikation zwischen den Crew-Mitgliedern gestört. Wir sprachen über spezielle Trainingsprogramme mit Prof. Rainer Dietrich, Sprachwissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin. Wie kommt es zu den fatalen Kommunikationsfehlern? Sie entstehen in Extremsituationen wie plötzlichem Seitenwind oder Hagelschauern. Das ruft bei der Besatzung Stress hervor. Der Pilot muss sich sofort auf die neue Situation einstellen. Das lässt sich allerdings trainieren. Wie sieht ein solches Training aus? Die Piloten werden möglichen Extremsituationen ausgesetzt und so auf immer wiederkehrende Routinen trainiert. Sie werden mit ellenlangen Wetterberichten konfrontiert, die sie im Detail verstehen und rezitieren müssen. Alle Standardformate des Flugverkehrs – wie Start- und Landeerlaubnis – werden in Rollenspielen eingeübt. Wer gestaltet das Training? Die Trainer sind meist Arbeits- und Organisationspsychologen, die mit dem Nervenzustand von Piloten in Extremlagen bestens vertraut sind. Aber auch Experten aus der Luftfahrt sind beteiligt. Gibt es andere Berufsfelder, die durch Kommunikationsseminare sicherer würden? Alle, die unter Hochrisiko-Bedingungen perfekt kommunizieren müssen – Polizisten bei Castortransporten, das OP-Personal in der Notaufnahme bis zu Arbeitern an Großbaustellen. Bedenkt man, dass dreimal mehr Menschen am Arbeitsplatz umkommen als im Krieg, erkennt man die Bedeutung solcher Seminare.
Hans Groth




