Immer wieder wird davor gewarnt, dass zu viele gute deutsche Wissenschaftler ins Ausland abwandern. Dies wurde auf einer Konferenz im November in Berlin diskutiert. Nach den Ergebnissen der Tagung fragten wir Jürgen Mlynek, Präsident der Humboldt-Universität Berlin.
Wie stark ist der Drang ins Ausland für deutsche Forscher wirklich?
Er ist nach wie vor ein Problem. Schließlich ist ein Auslandsaufenthalt bei Naturwissenschaftlern eine Pflichtübung. Mit Stipendien von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und anderen Fördereinrichtungen gehen viele Wissenschaftler für zwei Jahre nach Großbritannien oder in die USA.
Wie kann man das verhindern?
Die DFG und die Volkswagen-Stiftung haben Nachwuchsgruppen eingerichtet, die deutschen Wissenschaftlern einen guten Einstieg in die Forschung ermöglichen und sie so im Land halten. Doch selbst wenn Wissenschaftler für mehrere Jahre im Ausland leben und arbeiten – die meisten von ihnen kommen irgendwann zurück, da sich viele auf die Vorteile des sozialen Systems in Deutschland besinnen.
Wie könnte Deutschland für Wissenschaftler attraktiver werden?
Es gilt, vier entscheidende Barrieren abzubauen: die mentale Barriere, die Probleme immer mehr als Risiko denn als Chance einstuft. Die strukturelle Barriere, die Entscheidungs- und Leistungsfunktionen bevorzugt in Gremien verlegt, statt in die Hand von Wissenschaftlern. Die Bürokratie-Barriere, die der Forschung Flexibilität und Leistungsdenken nimmt. Und die finanzielle Barriere: In den USA werden für jeden Studenten rund 100 000 Euro aufgewendet, bei uns sind es 10 000 Euro.




