Schlechte Neuigkeiten vom Kampf gegen die Fettsucht (Adipositas): Mit dem Merck-Präparat MK-0557 ist wieder einmal ein Wirkstoff, der in Tierversuchen vielversprechend war, bei klinischen Tests durchgefallen. Wir befragten Johannes Hebebrand, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsklinik Essen und Vorstandsmitglied der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, zu der Zivilisationskrankheit, von der weltweit immer mehr Menschen betroffen sind.
Ein im Tierversuch erfolgreicher Wirkstoff gegen Fettsucht hat im menschlichen Körper versagt. Ist die Suche nach einem Medikament, dass auf einer einzigen Substanz beruht, vielleicht sinnlos?
Nein, aber weil der Fettstoffwechsel so außerordentlich wichtig für das Überleben ist, ist er äußerst kompliziert reguliert. Doch man hofft, dass sich irgendwann ein zentraler Ansatzpunkt für die Kontrolle des Körpergewichts findet.
Bestimmen Gene das Körpergewicht?
Es wird mindestens zur Hälfte von den individuellen Gen-Varianten bestimmt – und das ist eher niedrig gegriffen. Leider kennen wir beim Menschen bisher gerade einmal sechs Gene, die für das Körpergewicht verantwortlich sind. Veränderungen an ihnen sind zwar sehr selten, doch sie führen zu massiver Gewichtszunahme. Jetzt gibt es die technischen Möglichkeiten, auch Gene zu identifizieren, die geringere Effekte auf das Gewicht haben. Fettleibigkeit kommt letztlich durch das Zusammenspiel vieler solcher Gene mit der Umwelt zustande.
Eine neue Studie lässt vermuten, dass essen süchtig macht. Stimmt das?
Bei Fettleibigen können tatsächlich die gleichen neurologischen Mechanismen ablaufen wie bei anderen Abhängigen. Auch dies könnte ein Ansatzpunkt zur Behandlung von Adipositas sein.




