Wir hatten über ein verlängertes Wochenende eine Tante meiner Frau in Österreich besucht. „Ihr fahrt doch über die A8 zurück. Da kommt ihr an Günzburg vorbei und könnt noch ein paar Stündchen ins Legoland gehen. Das wäre doch was für die Kinder”, sagte sie mir beim Abschied. „Pssst”, zischte ich ihr zu, denn ich hasse Freizeitparks. Aber es war bereits zu spät. Die Kinder hatten es gehört. „Toll! Das machen wir!”, jubelten Inga und Christina. „ Nein, das tun wir nicht”, entschied ich streng. „Wir wollen pünktlich zu Hause sein, denn morgen müsst ihr wieder zur Schule.” Natürlich fuhren wir dann doch ins Legoland. Stundenlang stand ich mit den Kindern immer wieder bei der Achterbahn an, um dann kurze Fahrten zu machen, bei denen mir nicht nur übel wurde, sondern ich auch noch Wasserspritzer abbekam. Die Modelle von Neuschwanstein, dem Reichstag und dem Dogenpalast, die komplett aus Legosteinen errichtet wurden, sind jedoch wunderschön und weckten in mir die Lust, wieder einmal selbst mit Legosteinen etwas zu bauen. Erst als der Park am Abend schloss, setzten wir uns wieder ins Auto und machten uns auf den zweiten Teil der Heimfahrt. Meine Frau fuhr, Christina saß neben ihr, und ich war auf die Rückbank zu meiner kleinen Tochter verbannt worden. Alle waren müde und still, und ich nickte ein. Ich weiß nicht, wie lange ich geschlafen hatte, als ich wach wurde, weil ein ständiges Klicken und Knacken in meine Ohren drang. Als ich die Augen aufmachte, sah ich, dass Inga mit zwei einzelnen Legosteinen spielte. Mit gerunzelter Stirn steckte sie die Steine ständig zusammen, nahm sie wieder auseinander und steckte sie dann erneut in anderer Anordnung zusammen. Ich sah ihr eine Zeitlang zu. Dann fragte ich sie: „Woher hast du denn die beiden Legosteine?” „Gefunden”, sagte sie, ohne mich dabei anzusehen. Ich fragte lieber nicht nach, wo sie sie gefunden hatte. „Was machst du damit eigentlich?” Inga hielt mir die beiden Steine vor die Nase. „Schau mal, Papa”, sagte sie. „Ich habe einen roten und einen gelben Stein. Beide haben zwei Reihen mit je vier Noppen. Ich überlege nun, auf wie viele verschiedene Weisen man diese beiden Steine zusammenstecken kann.” „Das kann doch nicht so schwer sein”, sagte ich und nahm die beiden Steine. Doch ich hatte mich verschätzt. Es gab überraschend viele Möglichkeiten, und ich verlor schnell den Überblick.
Wissen Sie, auf wie viele Weisen man einen gelben und einem roten Legostein mit jeweils 2 mal 4 Noppen zusammensetzen kann? Dabei zählen auch spiegelbildliche Muster und Muster, die nur farbvertauscht sind, als verschieden. Achtung: Sind zwei Steine nur durch eine einzelne Noppe miteinander verbunden, lassen sie sich um ein paar Grad gegeneinander verdrehen. Diese verdrehten Stellungen zählen aber nicht als unterschiedliche Anordnungen.





