Wenn die Bläser das Letzte aus Oboen und Klarinetten herausholen, Cellisten und Geiger fiedeln, was das Zeug hält, der Pianist die Klaviatur hoch und wieder runter spielt, freut sich das Publikum – doch die Musiker leiden. Der Orchestergraben sei einer der gefährlichsten Arbeitsplätze in Deutschland, meint Prof. Helmut Müller von der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin. Danach haben Dreiviertel aller Musiker gesundheitliche Beschwerden, die in Zusammenhang mit ihrem Beruf stehen. Die Lautstärke im Orchester kann Schwerhörigkeit und Tinnitus zur Folge haben und auch die einseitige Belastung von Muskeln, Sehnen und Gelenken führt zu Beschwerden: Cellisten etwa haben Probleme mit den Fingerkuppen, Geigern schmerzt das Kinn, Bratschisten klagen über ihre Schultern, Pianisten bekommen Krämpfe in den Fingern. Deshalb, so Müller, sei es wichtig, dass sich Musiker – ähnlich wie Sportler – vor dem Spielen „aufwärmen” und auf eine möglichst ergonomische Haltung achten. Das gelte auch für Kinder und Jugendliche, die ein Instrument erlernen. Am neu gegründeten Institut für Musikergesundheit in Berlin will man nun herausfinden, wie den geplagten Musikern geholfen werden kann und welche Präventionsmaßnahmen vor Gesundheitsschäden schützen.
Hans Groth




