Mütter haben’s schwer – auch Pavianmütter. Nicht nur, daß sie unablässig nach Nahrung für sich und ihren hungrigen Nachwuchs suchen müssen. Sie müssen ihre Kinder auch vor Raubtieren beschützen. Und sie sind ständig damit beschäftigt, ihre Machtposition wie ihren sozialen Status zu sichern und ihre Beziehungsnetze zu festigen. Mit so viel „Berufstätigkeit” ist die Grenze ihrer physischen Belastbarkeit erreicht. Pavianmüttern ergeht es da ganz ähnlich wie mehrfach belasteten menschlichen Müttern.
Mütter – sagt die amerikanische Soziobiologin und Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy – sind ganz anders als man denkt. Die Natur hat keine Frau dazu bestimmt, ein Kind nach dem anderen zur Welt zu bringen und sich für ihren Nachwuchs selbstlos aufzuopfern. Die Soziobiologin ist überzeugt: Tierische und menschliche Mütter sind genetisch dazu prädisponiert, Kosten-Nutzen-Rechnungen anzustellen. Ob sie Kinder zur Welt bringen oder nicht und wieviel Zeit, Energie und Ressourcen sie in ihre Kinder investieren, ist abhängig von ihrem Alter, ihrer körperlichen Verfassung, den ökologischen und ökonomischen Bedingungen und nicht zuletzt von ihrem sozialen Status.
Sarah Blaffer Hrdy kombiniert ebenso virtuos wie ketzerisch die neuesten Erkenntnisse der Soziobiologie mit grundlegenden Erkenntnissen des Feminismus und der Ethnologie. Eines der originellsten – und stilistisch brillantesten – Sachbücher der letzten Jahre.
Sarah Blaffer HrdyMUTTER NATURDie weibliche Seite der EvolutionBerlin Verlag, Berlin 2000 773 S., DM 68,–
Frank Ufen





