Aus Sorge um den „maßlosen Ressourcen- und Energieverbrauch und den bedrohlichen Klimawandel” hat Klaus Wiegandt, ehemaliger Vorstandssprecher der Metro, eines der weltweit größten Handelsunternehmen, die Stiftung „Forum für Verantwortung” gegründet. Um die „wissenschaftlichen Hintergründe und Zusammenhänge einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und verfügbar” zu machen, gibt Wiegandt nun, zusammen mit dem Fischer-Verlag, eine zwölfbändige Buchreihe heraus. Denn nur mit kritischen, kreativen, diskussions- und handlungsfähigen Individuen sei eine zukunftsfähige Gesellschaft möglich. Gleichzeitig mit der Buchreihe startet er das Projekt „Zukunft der Erde”, zu dem es im Laufe des Jahres bundesweit zahlreiche Veranstaltungen geben soll.
Die ersten vier Bände der Reihe sind bereits erschienen. Der Einführungsband trägt den Titel „Was verträgt unsere Erde noch?”. Darin geht es um die gegenwärtige Situation unseres Planeten – beurteilt von sechs Autoren aus sehr unterschiedlicher Perspektive.
Von Friedrich Schmidt-Bleek, Professor für Chemie und Präsident des Factor 10 Institute im französischen Carnoule, das sich dem Thema Ökoeffizienz widmet, stammt der Band mit dem Titel „Nutzen wir die Erde richtig?”. Bleek ist der Meinung, dass der Mensch seine Heimat vielmehr „übernutzt”. Messbar sei das etwa durch den zu großen „ökologischen Fußabdruck”, den der Mensch hinterlässt. Darunter versteht er die Fläche auf der Erde, die nötig ist, um den Lebensstandard zu gewährleisten. Bleek fordert effizienten Umgang mit Rohstoffen. Den Material- und Energieverbrauch bei der Erzeugung von Produkten will er um den Faktor 10 senken – was er für möglich hält, ohne den Lebensstandard einschränken zu müssen. Pfiffig ist das Konzept des „ökologischen Rucksacks”, das allerdings eine Verhaltensänderung erfordert: Dessen Gewicht gibt an, welche Rohstoffmengen zur Erzeugung eines Produkts nötig waren.
Der Kieler Meteorologe Prof. Mojib Latif behandelt in seinem Buch „Bringen wir das Klima aus dem Takt?” den Klimawandel, der in vollem Gange sei und in zunehmendem Maße vom Menschen verursacht werde. Das ist auch die Überzeugung der meisten Klimaforscher. Latif gibt eine gute Einführung in die wissenschaftlichen Grundlagen des Klimas und erläutert die Prognosen der Forscher. Dabei stützt er sich vor allem auf Angaben des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, ein zwischenstaatlicher Aussschuss, eingerichtet von der UNO und der Weltmeteorologenorganisation). Er verhehlt allerdings nicht die Unsicherheiten, die in diesen Prognosen stecken.
Der Band „Kann unsere Erde die Menschen noch ernähren?” ist bislang das beste der Reihe. Klaus Hahlbrock, Professor für Biochemie und ehemaliger Direktor am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln sowie Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft, sieht durchaus die gravierenden Probleme: den Hunger auf der Welt, die Verschlechterungen der Umwelt durch intensive Landwirtschaft und den Konflikt zwischen Naturschutz und Deckung des Nahrungsbedarfs. Dennoch ist er optimistisch. Denn er ist überzeugt, dass sich die Fehlentwicklungen durch „Fortschritt mit neuen, qualitativ verbesserten und somit zeitgemäßen Mitteln” beheben lassen. Und er kommt zu dem Schluss, dass der weltweit wachsende Nahrungsmittelbedarf ohne eine intensive Landwirtschaft nicht gedeckt werden kann.
Die Grüne Gentechnik spielt dabei als Teil einer Zweiten Grünen Revolution eine wichtige Rolle. Ein großes Zukunftspotenzial dieser Gentechnik sieht Hahlbrock in der Steigerung der Photosynthese und der biologischen Stickstofffixierung. Er ist überzeugt, dass beides zu einem gewaltigen Sprung beim Ertrag von Nahrungspflanzen führen kann.
Friedrich Schmidt-Bleek NUTZEN WIR DIE ERDE RICHTIG? 256 S., ISBN 3-596-17275-6
Jill Jäger: WAS VERTRÄGT UNSERE ERDE NOCH? 232 S., ISBN 3-596-17270-5
Mojib Latif: BRINGEN WIR DAS KLIMA AUS DEM TAKT? 255 S., ISBN 3-596-17276-4
Klaus Hahlbrock KANN UNSERE ERDE DIE MENSCHEN NOCH ERNÄHREN? 318 S., ISBN 3-596-17272-1
Jedes dieser Fischer-Taschenbücher kostet € 9,95
Heinz Horeis, langjähriger bdw-Autor mit dem Schwerpunkt auf Technik und Energie




