Die Angst vor Vampiren und anderen „Untoten“ gibt es nicht erst seit Bram Stokers Roman „Dracula“ oder modernen Gruselfilmen. Schon im Mittelalter fürchteten Menschen, dass einige Tote aus ihren Gräbern aufstehen und Krankheit, Tod oder anderes Unheil über die Gemeinschaft bringen könnten. Um sich vor solchen Wiedergängern, Vampiren oder dämonischen Wesen zu schützen, wurden „verdächtige“ Tote oft unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen begraben: Man trieb ihnen Pflöcke durch das Herz, köpfte sie oder fesselte sie.
Ein Gräberfeld ohne Kreuze und Kirche
Ein besonderes Beispiel für ein solches „Vampirgrab“ haben Archäologen im polnischen Ort Pień entdeckt. Dort gibt es neben einem Friedhof aus dem frühen Mittelalter auch ein Gräberfeld aus dem 17. Jahrhundert. „Dieses zweite Gräberfeld ist nicht auf Karten verzeichnet und es fehlen typisch katholische Objekte wie Kreuze oder Medaillons“, berichtet das Team um Dariusz Poliński von der Nicolaus-Copernicus-Universität in Toruń. Es könnte sich daher um einen protestantischen Friedhof handeln – im katholischen Polen eher eine Ausnahme.
Doch dieser Friedhof wird in protestantischen Kirchendokumenten nicht erwähnt. Er lag zudem an einer Wegkreuzung weit entfernt vom Dorf und oder einer Kirche oder Kapelle – und damit wahrscheinlich in ungeweihtem Boden. „Eine solche Bestattung in nicht geweihtem Boden galt damals als Schande für die Toten und ihre Familien“, erklären Poliński und seine Kollegen. Typischerweise wurden nur Selbstmörder, Häretiker, ungetaufte Kinder, Vagabunden oder anderweitig ausgestoßene Menschen dort begraben.

Foto und Zeichnung des Grabes der jungen Frau mit Sichel und Fuß-Vorhängeschloss. — © Poliński et al./ Journal of Archaeological Science: Reports, CC-by 4.0
Schloss am Fuß und Sichel über der Kehle
Dazu passt der Fund, den die Archäologen in einem Grab im Zentrum dieses rund 400 Jahre alten Gräberfelds machten. Im Grab lagen die Gebeine einer jungen, bei ihrem Tod erst 17- bis 19-jährigen Frau. „Die Tote lag ausgestreckt auf dem Rücken, mit dem Gesicht nach oben“, berichtet das Team. Reste eines mit Gold- und Silberfäden durchwirkten Kopfschmucks legen nahe, dass diese junge Tote wohlhabend war und einen hohen Rang bekleidete.






