Dienstag, 13. September 2016 An diesem Tag kann Ihr Blick über die Wüste Coahuilas im Nordosten Mexikos schweifen. Zu Ihren Füßen liegt das halbausgegrabene Skelett eines Hadrosauriers, an dem Sie gleich weiterarbeiten werden. Vor über 70 Millionen Jahren war hier ein riesiges Flussdelta, das in den urzeitlichen Golf von Mexiko mündete. Raubsaurier aus der Gruppe der Dromaeosaurier – das sind die mit den Sichelklauen – gingen hier auf die Jagd. Gestern haben wir ihre riesigen Fußabdrücke entdeckt. Gar nicht weit von hier sind sie einst durch den Matsch gelaufen. Ihre Spuren haben sich über Jahrmillionen erhalten.
Zwei sympathische Urzeit-Wissenschaftler nehmen die Leserinnen und Leser von bild der wissenschaft mit auf eine Expedition zu ihren Forschungsstätten in Mexiko: die Professoren Eberhard „Dino” Frey aus Karlsruhe und Wolfgang Stinnesbeck aus Heidelberg. Sie zeigen uns Orte, an die man als normaler Tourist nicht kommt oder so nicht sehen würde. Wir erkunden die Wüste in Off-Road-Fahrzeugen und erwandern auch etliche leicht zu bewältigende Strecken. Wir schnorcheln im Meer, in Mangrovengewässern, in Kalksteinlöchern und in Wüstenoasen, finden Saurierknochen, analysieren Steine und Saurierzähne. Die Geschichte Mexikos lernen wir von der Kreidezeit über die Periode der ersten menschlichen Einwanderer bis zu den Maya kennen. Auch das Mexiko unserer Tage haben wir im Auge.
Unsere Tour gliedert sich in zwei völlig unterschiedliche Etappen: Im Nordosten begleiten wir die beiden Geo-Wissenschaftler und ihre mexikanischen Kollegen auf ihren Grabungen. Wir erkunden Gipsdünen, urzeitliche Riffe und die wohl zweitältesten Fußabdrücke von Menschen auf dem amerikanischen Kontinent. Bei Cuatrociénegas gibt es inmitten der Wüste warme Quellen. Hier liegt das “mexikanische Galapagos”: Viele der hiesigen Tierarten gibt es nirgendwo sonst. Außerdem lässt sich an diesem Ort beobachten, wie Stromatolithen entstehen. Stromatolithen sind bekannt als die ältesten Fossilien der Welt. Heute entstehen sie nur noch an wenigen Stellen.
Natürlich kommt auch die Kultur nicht zu kurz. So feiern wir den mexikanischen Nationalfeiertag El Grito am 16. September in der prächtigen Kolonialstadt Parras de la Fuente.
Im Süden auf der Yucatan-Halbinsel erkunden wir auf der zweiten Großetappe die Region entlang der Karibikküste. Wir sind unterwegs in den Tropen, in einer Karstlandschaft mit riesigen Wäldern. An vielen Stellen ist der Boden eingebrochen. Cenoten heißen diese Einsturzlöcher in der Sprache der Maya. Oft sind sie mit Wasser gefüllt und über unterirdische Gänge und Höhlen – darunter viele eindrucksvolle Tropfsteinhöhlen – miteinander verbunden. Die ersten Einwanderer Amerikas haben hier ihre Spuren hinterlassen. Auch in dieser Region graben Frey und Stinnesbeck in Kooperation mit Forschungstauchern, die wir auf einer Exkursion begleiten werden.




