Manfred Prenzel, Mitglied im deutschen PISA-Konsortium, hat es klar erkannt: „Wir haben in Deutschland die große Herausforderung, Schülerinnen und Schüler für die Naturwissenschaften zu begeistern.” Dass das umso mehr für Kinder mit Migrationshintergrund gilt, das hat die TIMSS-Studie (Trends in International Mathematics and Science Study), an der 36 Nationen teilnahmen, eindeutig belegt: Diese Schüler schneiden in Mathematik und Naturwissenschaften deutlich schlechter ab als ihre Mitschüler.
Auch für ein Science Center ist es natürlich Pflicht, bei Schülern, die in Elternhaus und Schule nicht ausreichend gefördert werden können, Interesse am Forschen zu wecken. Bisher nutzen rund 300 000 Schüler jährlich die in der Bundesrepublik bereits existierenden Schülerlabore, um sich – mit Spaß und kompetent angeleitet – Naturwissenschaften und Technik zu nähern. Es dürften ruhig mehr sein. Der Pädagoge Johann Amos Comenius forderte schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts: „Mit realer Anschauung, nicht mit verbaler Beschreibung der Dinge muss der Unterricht beginnen. Aus solchen Anschauungen entwickelt sich ein sicheres Wissen.” Reale Anschauung werden auch die Schülerlabore und -ateliers der experimenta bieten. Thomas Wendt, der pädagogische Leiter, hat sich mit seinem Team schon vieles überlegt, um eventuell vorhandene sprachliche Barrieren ganz praktisch abzubauen.
Schmunzelnd präsentiert der Heidelberger Biologe dafür seinen cleveren Assistenten in Sachen „Verstehen auch ohne Worte”, einen kleinen, richtig netten Lego-Roboter. Den kann man – getreu dem Science-Center-Motto „hands on” – bei einem Kurs in den Labors der experimenta bauen. Anschließend wird er von den Jugendlichen selbst programmiert, etwa aufs Toreschießen.
Für Thomas Wendt ist das nur ein Beispiel, wie man auch ohne große Worte miteinander etwas tun kann, das allen Spaß macht und keinen wegen sprachlicher Defizite ausgrenzt. „Wir nehmen mit solchen Aktionen und Angeboten auch die Hemmungen vor der deutschen Sprache”, erklärt der Pädagogische Leiter. Besonders bei den Grundschülern wird man auf die Anschauung Wert legen. Ein Beispiel: Wie viel Energie in einer Walnuss steckt, wird klar, wenn man sie unter einem Gefäß mit kaltem Wasser verbrennt. „ Jeder kann dann selbst am Thermometer ablesen, wie warm das Wasser wird”, argumentiert der erfahrene Schülerlabor-Fachmann. „ Natürlich werden sich alle Kursleiter Mühe geben, möglichst wenig Fachausdrücke zu verwenden”.
Bewusst hat man in Heilbronn allerdings auf Mehrsprachigkeit bei den schriftlichen Materialien verzichtet: „Eine Hilfe zur Integration ist schließlich auch das Erlernen der deutschen Sprache.” Wichtiger ist es für Thomas Wendt und für Ausstellungsleiter Christian Sichau, Mentoren mit Migrationshintergrund zu finden: Lehrer, Studenten oder Frauen und Männer aus Firmen, die die Kinder motivieren und ihnen Vorbild sein können. Wer Lust dazu hat, sollte sich rasch bei der experimenta melden. Ulrike Kieser





