Ostafrika gilt als ein Hotspot der Evolutionsgeschichte des Menschen. Aus Funden geht hervor, dass sich dort in den letzten sieben Millionen Jahren die frühen Vertreter der Homininen entwickelt haben, aus denen letztlich auch der moderne Mensch hervorgegangenen ist. Klar scheint: Die Umwelt, in der diese Wesen lebten, hat maßgeblich ihre Entwicklung beeinflusst. Doch wie sah es damals im heutigen Ostafrika aus? Welche Pflanzen, Tiere und Landschaftsformen prägten die Lebensbedingungen im Rahmen der homininen Evolution? Als Referenzmodelle dienen dazu bislang die heutigen afrikanischen Ökosysteme, wie etwa die Serengeti. Allerdings ist nach wie vor unklar, wann diese modernen Lebensräume entstanden sind und damit auch, inwieweit sie sich mit den Bedingungen im Rahmen der menschlichen Entwicklungsgeschichte vergleichen lassen.
Ökosysteme im Spiegel ihrer Tiere
In diese Frage liefert die Studie der Forscher um Tyler Faith von der University of Utah in Salt Lake City nun neue Einblicke. Wie sie erklären, finden sich Hinweise zur Entwicklung der Ökosysteme in der Zusammensetzung der Tierarten, die einst Ostafrika prägten. Denn sie waren nicht nur typisch für bestimmte Lebensräume, sie beeinflussten wiederum selbst die Struktur der Ökosysteme maßgeblich. Um die Unterschiede zwischen den heutigen und einstigen Umgebungen zu untersuchen, analysierten die Forscher Datensätze von mehr als 200 aktuellen afrikanischen Säugetiergemeinschaften und mehr als 100 fossilen Gemeinschaften aus den letzten sieben Millionen Jahren. Im Fokus standen dabei drei Merkmale der Tiere: Ernährungsweise, Körpergröße und Verdauungsstrategie.
Wie die Forscher berichten, geht aus ihren Daten hervor: Bis vor 700.000 Jahren sahen die Säugetiergemeinschaften im Untersuchungsgebiet noch ganz anders aus als heute. Der wichtigste Aspekt ist ihnen zufolge dabei, dass es einst eine größere Vielfalt von Megaherbivoren gab – pflanzenfressenden Arten, die über zwei Tonnen wogen. Dazu gehörten etwa verschiedene heute ausgestorbene Vertreter der Rüsseltiere, wie das Deinotherium. Heute ist die afrikanische Tierwelt hingegen deutlich mehr von Wiederkäuern wie Antilopenarten geprägt. Von den einst zahlreicheren Riesen sind hingegen nur noch Elefanten, Nashörner und Flusspferde geblieben. “Große Pflanzenfresser sind nicht nur passive Teile eines Ökosystems – es ist bekannt, dass sie die Landschaft formen: Sie prägen die Vegetation, die größten Vertreter fällen sogar Bäume und zertrampeln die Böden, was insgesamt die Vegetationsstruktur und die Landschaft stark beeinflusst”, sagt Faith.
Viele Riesen und wenige Wiederkäuer
Wie die Forscher erklären, vertilgten die einstigen Tiergemeinschaften im Vergleich zu den heutigen insgesamt wohl auch deutlich mehr Pflanzenmaterial. Denn die heutigen afrikanische Ökosysteme sind von Wiederkäuern geprägt, die weniger Nahrung benötigen. Durch ihr raffinierteres Verdauungssystem mit vier Mägen können sie Futter vergleichsweise gründlich zersetzen. Nichtwiederkäuer, darunter die Verwandte von Elefanten, Zebras, Flusspferden, Nashörnern und Schweinen, brauchen dagegen größere Mengen an Pflanzenmaterial, um ihre ineffizientere Verdauung auszugleichen. Diese Nichtwiederkäuer sind heute vergleichsweise selten – höchstens acht Arten leben auf demselben Gebiet. Vor über 700.000 Jahren war das hingegen noch anders: Dutzende Arten kamen gleichzeitig vor – inklusive der besonders großen, berichten die Wissenschaftler.





