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Melatonin könnte chronische Schmerzen lindern
Gesundheit & Medizin

Melatonin könnte chronische Schmerzen lindern

Melatonin kommt oft als Einschlafmittel zum Einsatz. Doch womöglich könnte es auch gegen Schmerzen helfen. · Foto: © Liudmila Chernetska/iStock

Melatonin steuert unseren Tag-Nacht-Rhythmus und ist deshalb als Schlafhormon bekannt. Doch womöglich hilft es auch gegen Schmerzen. Das legt eine Übersichtsstudie nahe, die auf Daten von mehr als 2000 Personen basiert. Demnach könnte das in vielen Ländern frei verkäufliche Melatonin eine nebenwirkungsarme Ergänzung zu gängigen Schmerzmitteln bieten. Von unkontrollierter Selbstmedikation raten die Forschenden jedoch ab.
Autor
Elena Bernard
01. Juli 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Gesundheit & Medizin

Wenn es abends dunkel wird, schüttet die Zirbeldrüse in unserem Gehirn das Hormon Melatonin aus, das unserer inneren Uhr signalisiert: Zeit zum Schlafen! In Deutschland in vielen weiteren Ländern ist das körpereigene Hormon zudem als Nahrungsergänzungsmittel – oder in höherer Dosierung als verschreibungspflichtiges Arzneimittel – erhältlich, das beim Einschlafen helfen soll.

Weniger Schmerzen, besserer Schlaf

Doch womöglich kann Melatonin sogar mehr als das: „Es gibt Hinweise darauf, dass Melatonin auch bei der Behandlung chronischer Schmerzen helfen kann“, berichtet Kangchao Wu von der University of Syndey in Australien. Gemeinsam mit seinem Team hat er 23 randomisierte kontrollierte Studien zu diesem Thema ausgewertet, die insgesamt Daten von 2028 Personen umfassen – darunter Menschen mit chronischen Rückenschmerzen, Arthrose und Fibromyalgie sowie Personen, die sich von Operationen an Gelenken oder an der Wirbelsäule erholten.

Das Ergebnis: Auf einer Schmerzskala von 0 bis 100 reduzierte die Einnahme von Melatonin die Schmerzen um durchschnittlich neun Punkte. Damit erzielte das Hormon eine ähnliche Wirkung wie gängige Schmerzmittel, darunter Paracetamol, leichte Opioide und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen. Zudem berichteten die Testpersonen oft von einer verbesserten Schlafqualität. „Bei vielen Patienten treten Schmerzen nicht isoliert auf, sondern stehen in engem Zusammenhang mit schlechtem Schlaf“, erklärt Wu. „Melatonin scheint auf beides einzuwirken, was es besonders nützlich für Menschen macht, die mit chronischen Schmerzen leben.“

Wirksame Dosierung unklar

Die Dosierung in den ausgewerteten Studien war allerdings unterschiedlich und variierte zwischen einem und zehn Milligramm, üblicherweise eingenommen vor dem Schlafengehen. Hinweise auf eine Dosis-Wirkungs-Beziehung fanden die Forschenden nicht. Niedrige Dosierungen halfen je nach Studie teils ähnlich gut oder sogar besser als höhere Dosierungen. Eine „optimale Dosis“ können Wu und sein Team auf Basis der bisherigen Ergebnisse deshalb nicht empfehlen.

Zu den am häufigsten berichteten Nebenwirkungen zählten Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist zudem darauf hin, dass melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel zu einem unerwünschten Abfall des Blutdrucks und der Körpertemperatur führen können, den Blutzuckerspiegel beeinflussen und zudem den Schlaf-Wach-Rhythmus aus dem Gleichgewicht bringen können.

Mögliche Ergänzung zu anderen Schmerzmitteln

Im Vergleich zu vielen Schmerzmitteln ist Melatonin jedoch sehr gut verträglich. Aus Sicht der Forschenden könnte es deshalb dazu beitragen, den Bedarf an Schmerzmitteln mit höherem Risiko oder Abhängigkeitspotenzial zu reduzieren. „Wir empfehlen nicht, dass Melatonin jedes Schmerzmittel ersetzen soll“, stellt Wu klar. „Stattdessen kann es nach Rücksprache mit einem Arzt als Ergänzung zu bestehenden Behandlungen eingesetzt werden, insbesondere bei Menschen, die auch unter Schlafproblemen leiden.“

Von Selbstbehandlungen rät das Team dagegen ab. Denn auch wenn Melatonin üblicherweise gut verträglich ist, kann es bei Personen mit Vorerkrankungen unerwartete Wirkungen entfalten oder mit anderen Medikamenten wechselwirken. Bekannt ist beispielsweise, dass Östrogenpräparate wie die Pille den Abbau von Melatonin verzögern.

Quelle: Kangchao Wu (University of Syndey, Australien) et al., PAIN, doi: 10.1097/j.pain.0000000000004045

InsomnieMedikamenteMelatoninSchlaflosigkeitSchmerzenSchmerzmittel
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