„Er ist der Bruder, den ich nie hatte.” So beschreibt der amerikanische Psychologe Paul Ekman, 74, seine Verbundenheit zum ein Jahr jüngeren Dalai Lama. Seit sich die beiden Männer im Jahr 2000 auf einem Kongress kennengelernt haben, besteht zwischen dem Wissenschaftler und dem geistlichen Führer eine innige Freundschaft. Beide verbindet der Wunsch nach einer Welt, in der die Menschen ihre Gefühle besser in den Griff bekommen.
Könnte vielleicht eine Symbiose ihrer Ideen sie dem Ziel näher bringen? Margaret Kemeny, Professorin für Psychologie und Psychiatrie an der University of California in San Francisco, erhielt den Auftrag, darauf eine Antwort zu finden. Die Wissenschaftlerin untersuchte, ob fernöstliche Meditation in Kombination mit Ekmans Gefühlstraining auf das menschliche Gemüt einen Einfluss hat und wenn ja, welchen. In ihrer Studie begab sich eine Gruppe von 80 Probanden vier Tage lang unter die Obhut buddhistischer Meditationstrainer. „Es ging dabei um Konzentrationsübungen und um Anleitungen, die Güte und Freundlichkeit fördern sollten”, berichtet Kemeny. Parallel dazu vermittelten Trainer der Ekman Group Basiswissen zum Thema Emotionen. Damit sollten die Teilnehmer Gefühle bei sich und anderen besser erkennen lernen. Die Probanden wurden gebeten, die Meditationsübungen auch nach Abschluss der Schulung zu Hause täglich durchzuführen, ihr Wissen in „Emotionskunde” durch Literatur zu festigen und Tagebuch zu führen. Vor, während und fünf Monate nach Abschluss des Trainings verordnete Kemeny ihren Probanden unterschiedliche Stress-Tests (wie gut es Ihnen zum Beispiel gelang, eine Rede aus dem Stegreif zu halten) oder Kommunikations-Tests (ob sie etwa ein schwieriges Thema mit dem Lebensgefährten vor laufender Kamera erfolgreich besprechen konnten).
Das Ergebnis: „Die emotionale Situation der Probanden hat sich durch das Training deutlich verbessert”, berichtet Kemeny. Ihre Studie hat sie zur Veröffentlichung eingereicht. Die Resultate sind so ermutigend, dass die Wissenschaftlerin bereits ein neues Projekt leitet: Sie schult nun Lehrer in „Emotionskunde” und Meditation: „Wir wollen untersuchen, welche Auswirkungen das Training auf Lehrer hat, und ob und wie sich ihre Art, den Unterricht zu leiten und mit Schülern zurechtzukommen, verändert.” DK




