Stephen Hawkings neue These hatte ein großes mediales Echo. Und es gab bisweilen geharnischte Kritik – sowohl an den Medien als auch an Hawking selbst. „Hawkings Meinung, dass keine Ereignishorizonte existieren, wird von vielen seiner Kollegen geteilt, mich eingeschlossen. Sie ist in keiner Weise neu”, sagt beispielsweise Sabine Hossenfelder vom Nordita-Institut in Stockholm, die mit Lee Smolin vom Perimeter Institute im kanadischen Waterloo schon vor einigen Jahren Ähnliches publiziert hat. „Nichts hat sich in unserem Verständnis Schwarzer Löcher aufgrund von Hawkings Artikel geändert.” Aber der Physiker ist nun einmal enorm populär. Da verwundert es nicht, dass Massenmedien seine Aussagen aufgreifen. Ärgerlich ist aber, wenn das auf verzerrte oder gar falsche Weise geschieht. „Es ist unerquicklich, dass Hawkings Aussage so fehlinterpretiert wurde, weil viele Leute nun meinen, Schwarze Löcher existieren gar nicht” , sagt Sabine Hossenfelder. Matt Strassler von der Harvard University sieht es ähnlich: „Das schuf eine große Verwirrung.” Er fürchtet sogar, das Ganze spiele Wissenschaftsgegnern in die Hände, „denn es erweckt den Anschein, dass Forscher täglich ihre Meinung ändern und dass keine etablierten Fakten existieren”. Wenn Hawking recht hat – und das ist keineswegs sicher –, sind die Schwarzen Löcher bloß etwas weniger schwarz und abgründig als bislang gedacht, doch sie sind nicht als astronomische Objekte verschwunden. Das ging in vielen Berichten unter. Ob die Folgen wirklich so dramatisch sind, wie Strassler meint, lässt sich schwer abschätzen. Der Physiker reagierte jedenfalls ziemlich ungehalten: „Manchmal sind die Medien wie ein Schwarzes Loch: Informationen gehen hinein, und nachdem sie bis zur Unkenntlichkeit verrührt wurden, kommen sie wieder heraus durch einen mysteriösen Prozess, der für niemanden einen Sinn ergibt. Außer, dass in diesem Fall eines sehr deutlich wird: Informationen sind verloren gegangen und Fehlinformationen wurden erzeugt.”





