Was ist das Problem, Frau Prof. Dören?
Praktisch alle großen medizinischen Studien bis in die jüngste Zeit werden an jüngeren, gesunden Männern im Alter zwischen 30 und 40 Jahren durchgeführt. Frauen werden meistens nur in geringem Umfang berücksichtigt. So sind Analogieschlüsse auf das „ andere Geschlecht” nur sehr eingeschränkt möglich. Zudem weiß man inzwischen, dass viele Krankheiten bei Männern und Frauen völlig unterschiedlich zu behandeln sind.
Bei welchen Krankheiten ist das der Fall?
Vor allem Diabetes, Aids, Arthritis und Herzerkrankungen äußern sich bei Männern und Frauen oft mit unterschiedlichen Symptomen. Diese muss man individuell behandeln. Die verschiedenen Reaktionen von Frauen und Männern auf Krankheiten, Medikamente und Behandlungen sind möglicherweise genetisch bedingt. Daher suchen Wissenschaftler in Genen und Zellen zunehmend nach Unterschieden, die männliche und weibliche Krankheitsbilder erklären helfen.
Was muss sich ändern?
In den USA laufen bereits seit Jahren medizinische Langzeitstudien an Frauen. Es wird Zeit, dass auch in Deutschland öffentliche Gelder bereit gestellt werden, um geschlechtsspezifische Aspekte in der Medizin untersuchen zu können.
Hans Groth




